Fast vier Jahre nach zwei Terroranschlägen in Tunesien hat ein Gericht sieben Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, bekamen 16 weitere Angeklagte Haftstrafen zwischen sechs Monaten bis 16 Jahren. Die Verfahren gegen 27 Personen wurden eingestellt.

Im März 2015 waren bei einem Angriff auf das Bardo-Nationalmuseum in der tunesischen Hauptstadt 21 ausländische Touristen und ein Polizist getötet worden. Drei Monate später hatte ein bewaffneter Angreifer vor einem Strandhotel im Badeort Port el-Kantaoui bei Sousse 38 Touristen getötet, darunter 30 Briten und zwei Deutsche. Der Attentäter wurde anschließend von Sicherheitskräften erschossen. Zu beiden Anschlägen hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Keiner der nun Beschuldigten sei direkt an den Anschlägen beteiligt gewesen, sagte Abdel Nasser el-Mehri, einer der Verteidiger, nach der Urteilsverkündung. Einige Angeklagte hätten jedoch logistische Hilfe geleistet. Er warf den Behörden vor, Teile ihrer Vorwürfe fabriziert zu haben. 

Die Verurteilung erfolgte auf Grundlage eines im Sommer 2015 verabschiedeten Anti-Terror-Gesetzes. Die Anklage lautete auf Verstrickung in Terror, Mord und Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates. Außerdem wurde Sicherheitskräften im Zusammenhang mit dem Anschlag in Sousse unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Gegen die Urteile kann noch Berufung eingelegt werden.