Papst Franziskus hat zum Auftakt des Gipfels gegen Missbrauch "konkrete und wirksame Maßnahmen" im Kampf gegen den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche gefordert. "Das Volk Gottes schaut auf uns und erwartet von uns keine einfachen und vorhersehbaren Verurteilungen", sagte das Oberhaupt der Katholiken bei der Eröffnungsrede im Vatikan. Die Kirche müsse "auf die Stimmen der Kinder hören, die Gerechtigkeit verlangen". Er bat um Hilfe, auf dass "dieses Übel in eine Chance für Verständnis und Reinigung" umgemünzt werden könne. Die Gläubigen verlangten konkretes Handeln, nicht nur Verurteilungen der Taten.

Als Diskussionsgrundlage dafür sollen den Gipfelteilnehmern laut Franziskus die beschlossenen Kriterien von Bischofskonferenzen und Kommissionen dienen. Diese seien jedoch nur ein Ausgangspunkt und sollten nicht "die Kreativität einschränken, die es bei diesem Treffen braucht", sagte der Papst weiter. Neben der Kreativität seien zudem Glaube, Redefreiheit, Mut und Klarheit nötig.

Die katholische Kirche wird seit Jahren von Missbrauchsskandalen erschüttert und befindet sich dadurch in der Krise. Bislang waren vor allem Übergriffe auf Kinder und Jugendliche bekannt geworden. Zuletzt bestätigte der Papst auch den Missbrauch von Nonnen durch Priester und Bischöfe. Franziskus hatte in diesem Zusammenhang eine "Nulltoleranz"-Haltung gegenüber sexuellem Missbrauch versprochen. Wenige Tage vor der Konferenz setzte er ein Zeichen, indem er den Ex-Kardinal Theodore McCarrick nach Missbrauchsvorwürfen aus dem Klerikerstand entließ.

Auf Einladung des Papstes beraten die katholischen Bischöfe im Vatikan über Konsequenzen aus den Missbrauchsskandalen der Kirche. Franziskus erhofft sich von dem Krisengipfel ein stärkeres Bewusstsein der Bischöfe für das Thema des sexuellen Missbrauchs und die Verständigung auf ein gemeinsames Regelwerk. Teilnehmer der viertägigen Konferenz sind die Vorsitzenden von mehr als 110 Bischofskonferenzen weltweit. Zudem sollen Experten und Opfer zu Wort kommen.