Dass sich junge, von anderen angehimmelte Menschen gegenseitig beleidigen und handgreiflich werden, gab es schon vor 15 Jahren bei den sogenannten Gangsta-Rappern. Deren Sprache war allerdings brutaler, manchmal wurden Messer gezückt. Unrühmlicher Höhepunkt war, als dem Berliner Rapper Massiv 2008 von Unbekannten in den Arm geschossen wurde.

Seine Feinde streuten das Gerücht, er habe das selbst getan, um Aufmerksamkeit zu erhalten, was der Rapper aber rigoros bestritt. Jedenfalls tragen die heutigen YouTuber ihre Konflikte im Vergleich zu den Rappern damals sehr viel zivilisierter aus. Nix Verrohung. Nix alles immer schlimmer.

Leider fallen einem positive Veränderungen selten auf. Wie vorbildlich sich etwa die jungen Menschen heute bei Rockkonzerten benehmen. Wer hätte das vor 50 Jahren voraussagen können, nachdem die Fans der Stones damals die Waldbühne verwüstet hatten? Im 20. Jahrhundert gab es Vorfälle, bei denen sich Anhänger verschiedener Musikstile gegenseitig die Köpfe einschlugen. 2019 schwer denkbar.

An diesem Freitag hat die Polizei eine weitere Massenschlägerei verhindert. In Köpenick wollten zwei Gruppen junger Männer aufeinanderlosgehen, die Polizei war durch einen anonymen Anruf gewarnt. Sie stellte Messer, Schlagstöcke und Elektroschocker sicher. Ob Influencer anwesend waren, ist unklar.

Selbst der Dauerrivale ist geschockt

Die beiden YouTuber vom Alexanderplatz haben sich inzwischen bei ihren Fans entschuldigt. Für das angerichtete Chaos, fürs Angstmachen, fürs Pfefferspray in der Luft. Bahar entschuldigte sich zudem bei der Polizei, Bekir dankte den Beamten, dass sie vor Ort waren und eingriffen. 17.000 Menschen gefällt das. Dauerrivale Jounes (der, der sich bei der Sache mit Ali Hakim eingemischt hatte) lud ebenfalls ein Video hoch, in dem er sämtlichen Beteiligten sein Mitgefühl aussprach. Klingt alles ziemlich vernünftig.

Die übelste Massenschlägerei, die es zuletzt in Berlin gab, brach übrigens in der Kneipe "Naubur" in Sichtweite der Oberbaumbrücke los. Lokale Kleinkriminelle gerieten mit einer größeren Gruppe zugereister Hamburger in Streit. Zuerst wurden Billardqueues eingesetzt, später auch Eisenstangen und Messer. Am Ende gab es zwei Tote und zehn Schwerverletzte. Die Schlägerei fand im Dezember 1928 statt.