Nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind die ersten der insgesamt 50 Opfer beigesetzt worden. Als erste wurden ein syrischer Flüchtling und sein Sohn zu Grabe getragen. Hunderte Trauernde hatten sich auf dem Friedhof unweit der Linwood-Moschee, dem zweiten Anschlagsort, eingefunden.

Der Vater und sein 15-jähriger Sohn wurden am Mittwoch nach Gebeten bestattet. Ihre Namen wurden über Lautsprecher bekannt gegeben. Die Familie der beiden war erst im vergangenen Jahr aus Syrien nach Neuseeland gekommen. Der Mann hinterlässt eine Frau und Tochter sowie einen weiteren Sohn, der ebenfalls angeschossen wurde, aber überlebte.

Die Ermittlungen in dem Fall haben zu einer weiteren Anklage geführt. Ein zweiter Mann wird laut Polizeiangaben beschuldigt, das Livevideo des Anschlags im Internet verbreitet zu haben. Ein Richter ordnete Untersuchungshaft an.

Kritik an Recep Tayyip Erdoğan

Australiens Regierungschef Scott Morrison bestellte unterdessen aus Verärgerung über Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu den Angriffen den türkischen Botschafter ein. Erdoğan hatte im türkischen Wahlkampf die Anschläge als Angriffe auf den Islam und auch auf die Türkei verurteilt. Zugleich drohte er Australiern mit antimuslimischer Gesinnung, sie würden "in Särgen zurückgeschickt" wie ihre Großväter aus den Reihen der Truppen der Entente-Mächte aus Großbritannien und Empire-Ländern wie Australien, Neuseeland sowie Frankreich im Ersten Weltkrieg bei der Schlacht von Gallipoli gegen eine vor allem osmanische Streitmacht.

Morrison bezeichnete die Äußerungen als "sehr beleidigend für Australier" und "rücksichtslos in dieser sehr sensiblen Situation". Die angebotene Entschuldigung lehnte Morrison ab und forderte eine Klarstellung und Rücknahme der Äußerungen. Bei den Anschlägen in Neuseeland während des vergangenen Freitagsgebets waren 50 Menschen getötet worden. Bei dem mutmaßlichen Schützen handelt es sich um einen 28-jährigen rechtsextremen Australier.

Neuseeland - Gedenken an Opfer des Massakers von Christchurch Hunderte Schülerinnen und Schüler haben an die Menschen, die in zwei Moscheen getötet worden sind, erinnert. Premierministerin Jacinda Ardern drückte ihr Beileid aus. © Foto: Hannah Peters/Getty Images


Bislang übergaben die neuseeländischen Behörden erst die sterblichen Überreste von sechs Opfern des Christchurch-Attentats an ihre Angehörigen. Bis Dienstag seien alle 50 Autopsien abgeschlossen worden, allerdings hätten nur zwölf Opfer "zur Zufriedenheit des Gerichtsmediziners identifiziert" werden können, teilte die Polizei mit.

Die Verzögerung bei der Überführung der Leichname an die Familien sorgte für Unmut: Viele Hinterbliebene hätten die Toten gerne binnen 24 Stunden beigesetzt, wie es muslimischer Brauch ist. Der 23-jährige Mohamed Safi, dessen Vater Matiullah Sadi in der Al-Noor-Moschee getötet wurde, äußerte seinen Ärger über die Behörden, die den trauernden Familien keinen Hinweis darauf gegeben hätten, wann sie die Leichen freigeben würden. "Sie sagen uns nichts", sagte der afghanische Flüchtling vor dem Familienhilfezentrum in Christchurch.

Die neuseeländische Polizei teilte mit, dass ihr der Frust der betroffenen Familien "durchaus bewusst" sei. Die Polizei versuche, die Kommunikation mit den Hinterbliebenen zu verbessern und dafür zu sorgen, dass sie umfassend informiert würden. "Wir tun alles, was wir können, um diese Arbeiten so schnell wie möglich abzuschließen und die Opfer an ihre Angehörigen zurückzugeben", teilte die Polizei mit.