Knapp fünf Jahre nach dem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel ist der Hauptangeklagte Mehdi Nemmouche zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das entschied das zuständige Brüsseler Gericht, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. Das Geschworenengericht folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Gegen das Urteil ist eine Revision, aber keine Berufung möglich.

Der aus dem nordfranzösischen Roubaix stammende Attentäter Nemmouche war bereits am Donnerstag schuldig gesprochen worden. Die Jury sah es als erwiesen an, dass der 33-Jährige bei dem Anschlag im Mai 2014 vier Menschen erschossen hatte. Bei den Opfern handelt es sich um ein israelisches Touristenpaar, eine Französin und einen Belgier.

Ermittler hatten Nemmouche etwa eine Woche nach seiner Tat in Marseille festgenommen. Er hatte die Tatwaffen dabei, zudem hatte er sich in einem Video zu dem Angriff bekannt. Nach seiner Festnahme war Nemmouche nach Belgien ausgeliefert worden. 

Gericht sieht "ausgeprägten Antisemitismus"

Das Gericht befand in seinem Urteil, dass Nemmouche keinerlei Reue für seine Tat gezeigt und das Andenken an die Opfer "beschmutzt" habe. Es verwies zudem auf Nemmouches "ausgeprägten Antisemitismus" und seine "Gefährlichkeit". Der Generalstaatsanwalt Yves Moreau hatte Nemmouche als "Psychopathen" und "Feigling" bezeichnet. Es gebe keinerlei mildernde Umstände. "Sie haben getötet, weil es Ihnen Freude machte und weil Sie wussten, dass Sie damit keinerlei Risiko eingehen", sagte Moreau. Nemmouche verfolgte die Ausführungen, ohne eine Regung zu zeigen. Zum Abschluss des Prozesses sagte er: "Das Leben geht weiter."

Die Anwälte Nemmouches hatten ihre Verteidigungsstrategie im Laufe des achtwöchigen Gerichtsverfahrens auf der These aufgebaut, dass ihrem Mandanten eine Falle gestellt worden sei. Demnach soll Nemmouche von iranischen oder libanesischen Geheimdienstagenten in "eine gezielte Hinrichtung von Mossad-Agenten" hineingezogen worden sein. Diese Vorwürfe wiesen Generalstaatsanwalt und Gericht zurück.

Der Anschlag auf das Jüdische Museum war laut Anklage der erste in Europa, der von einem Syrien-Rückkehrer verübt wurde. Er war zudem Startpunkt einer ganzen Reihe von Anschlägen in Europa, bei denen es einen IS-Bezug gab oder die der IS für sich beanspruchte. Der Attentäter Nemmouche hatte zwischen Anfang 2013 und Anfang 2014 für den "Islamischen Staat" (IS) in Syrien gekämpft.

Gegen Nemmouche läuft derzeit auch ein Verfahren in Frankreich wegen der Entführung von vier französischen Journalisten in Syrien. Zwei der vier Entführungsopfer hatten bei dem Prozess in Brüssel ausgesagt, Nemmouche als einen Gefängniswächter und Folterer des IS wiederzuerkennen.

In dem Prozess wurde auch der wegen Beihilfe schuldig gesprochene Mitangeklagte Nacer Bendrer zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der 30-jährige Franzose hatte die Waffen für den Anschlag geliefert.