Ein Unternehmer hat nach Dafürhalten der Staatsanwaltschaft den Auftrag zur Ermordung des Journalisten Ján Kuciak vor einem Jahr erteilt. Die slowakische Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität gab bekannt, gegen den Multimillionär eine formelle Anschuldigung erhoben zu haben. Das ist im slowakischen Strafrecht eine Vorstufe zur Anklage vor Gericht.

Damit bestätigte die Anklagebehörde bereits kursierende Spekulationen. Der ermordete Investigativjournalist Kuciak hatte immer wieder über zweifelhafte Geschäfte des Unternehmers geschrieben. Dieser sitzt wegen eines von dem Mord unabhängigen Betrugsdelikts in Haft. Schon im vergangenen Jahr waren die vier mutmaßlichen Mörder verhaftet worden, nach ihrem Auftraggeber war bisher gesucht worden.

Der Journalist Ján Kuciak und seine Verlobte Martina Kušnírová waren am 21. Februar 2018 in ihrem Haus im westslowakischen Dorf Veľká Mača erschossen worden. Kuciak hatte zuvor über die Verfilzung von Politik und Wirtschaft recherchiert. Auch mit Betrug im Zusammenhang mit EU-Fördergeldern für die Landwirtschaft und Geschäften des angeklagten Unternehmers hatte sich Kuciak befasst. Der Multimillionär hatte Kuciak überwachen lassen und den Journalisten am Telefon bedroht, wie dessen ehemaliger Chefredakteur Peter Bárdy im September 2017 erklärte. Kuciak meldete den Drohanruf bei den Behörden, es geschah jedoch nichts.

Kuciaks unvollendete Reportage über mögliche Verbindungen italienischer Mafiaclans zu slowakischen Regierungsmitarbeitern wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. Sie löste Massendemonstrationen gegen Korruption und den Missbrauch von EU-Förderungen aus. Als Folge der Proteste traten die Regierung und der Polizeipräsident zurück.