Die Silvesternacht in Köln 2015 hatte bundesweit Empörung ausgelöst: Zahlreiche Frauen hatten sexuelle Belästigungen durch Männer mit nordafrikanischem Migrationshintergrund gemeldet. Drei Jahre später sind nach den Ermittlungen lediglich zwei Personen wegen sexueller Nötigung verurteilt worden. Zudem kam es zu einer Verurteilung wegen "Grapschens", teilte das Amtsgericht Köln auf eine Anfrage von ZEIT ONLINE mit. Zuerst hatte Spiegel Online darüber berichtet. 

Insgesamt waren bei der Kölner Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Silvesternacht im Jahr 2015 weit mehr als 1.000 Anzeigen wegen unterschiedlicher Vorwürfe eingegangen. Gegen 290 namentlich bekannte Personen leiteten die Behörden demnach Ermittlungen ein.

Dem Kölner Amtsgericht zufolge sind aber nur 52 Verdächtige in insgesamt 43 Verfahren angeklagt worden. Bei den Angeklagten handelte es sich laut Amtsgericht neben einigen Deutschen vor allem um Algerier, Marokkaner und Iraker. Insgesamt wurden demnach 37 Verfahren abgeschlossen.

Höchste Strafe wegen Diebstahls verhängt

Den meisten Angeklagten wurde Diebstahl oder Hehlerei vorgeworfen. Nur sechs Verdächtige standen den Angaben zufolge wegen mutmaßlicher sexueller Nötigung vor Gericht. Zudem gab es Verfahren wegen Beleidigung, Körperverletzung, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Drogenbesitzes.

Die höchste Strafe verhängte das Gericht mit einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten wegen räuberischen Diebstahls. Die Sexualstraftäter wurden nach den Angaben des Gerichts jeweils zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

Den Anzeigen zufolge hatten in der Silvesternacht Gruppen von Männern am Kölner Hauptbahnhof zahlreiche sexuelle Übergriffe auf Frauen sowie Diebstähle und Raubdelikte verübt. Die Polizei hatte die Verbrechen überwiegend Tätern nordafrikanischer Herkunft zugeschrieben und angekündigt, alles dafür tun zu wollen, die "schrecklichen Übergriffe aufzuklären".

Kritik an der Polizei

Ein Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags kam ein Jahr später zu dem Ergebnis, es habe eklatante Fehler bei der Einsatzplanung und -ausführung gegeben. Dem Abschlussbericht zufolge sei in der Silvesternacht "ein möglichst rasches und vor allem frühzeitiges Eingreifen der Polizei und sonstiger Schutz- und Ordnungskräfte erforderlich gewesen". Auch habe es Kommunikationsmängel gegeben.

In der Silvesternacht 2016/2017 war die Polizei dann mit einem deutlich größeren Aufgebot in Köln präsent und kontrollierte eigenen Angaben zufolge zahlreiche junge Männer. Dabei geriet sie wegen der Verwendung des Begriffs "Nafris" erneut in die Kritik. Beobachter warfen den Beamten Racial Profiling vor. Darunter wird eine Methode verstanden, sich bei Kontrollen und Ermittlungen von der Hautfarbe oder anderen äußeren Merkmalen leiten zu lassen.