Auf dem Campingplatz in Lüdge bei Detmold hat die Polizei drei Tage lang weitere Spuren gesichert und dabei mehrere Gegenstände sichergestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Detmold und der Polizei Bielefeld nahmen die Ermittler eine zweistellige Zahl von Gegenständen an sich, die nun ausgewertet werden.

Auf der Parzelle des 56-jährigen Hauptverdächtigen befanden sich demnach CDs, Disketten, SIM- und SD-Karten sowie Unterlagen. Auch in der Unterkunft eines zweiten Beschuldigten seien möglicherweise relevante Gegenstände entdeckt worden.

Die Ermittlungen drehen sich um einen Fall von vielfachem Kindesmissbrauch: Seit 2008 sollen auf dem Campingplatz mindestens 31 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren sexuell missbraucht und dabei gefilmt worden sein. Drei Verdächtigen im Alter zwischen 33 und 56 Jahren wirft die Polizei schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und den Besitz von Kinderpornografie vor. Die Männer, die aus Lügde, Steinheim und dem niedersächsischen Stade stammen, befinden sich in Untersuchungshaft. Des Weiteren wird gegen einen 16-Jährigen ermittelt, der kinderpornografisches Material besessen haben soll, das auf dem Campingplatz entstanden ist. Gegen zwei Beschuldigte laufen Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe, gegen eine Person wird wegen Strafvereitelung ermittelt.

Die mutmaßlichen Tatorte blieben weiter abgesperrt, teilte die Polizei mit, weitere Durchsuchungen seien derzeit aber nicht geplant. Einige der minderjährigen Opfer sollen erneut befragt werden, um anhand der bisherigen Ermittlungsergebnisse Verbindungen zu klären und mögliche weitere Hinweise zu erlangen.

Im Juni könnte der Prozess beginnen

Der Fall Lügde ist wegen eklatanter Versäumnisse bei der Ermittlungsarbeit der zuständigen Kreispolizei zu einem Behördenskandal geworden: Aus einem nicht gesicherten Raum der Kreispolizei Detmold waren während der Ermittlungen 155 Datenträger verschwunden, die auf dem Campingplatz und in der Wohnung des Hauptverdächtigen gefunden worden waren. Kriminaldirektor Ingo Wünsch, der als Sonderermittler eingesetzt wurde, sprach von "schweren handwerklichen Fehlern, die sich potenziert haben. Verantwortliche Führung ist nicht erkennbar". Zwei hochrangige Mitarbeiter der Kreispolizei wurden ihrer Ämter enthoben.

Die Staatsanwaltschaft Detmold bestätigte allerdings den geplanten Zeitrahmen: Nach Aussage von Oberstaatsanwalt Ralf Vetter soll noch vor Mai eine Anklage formuliert werden. Ein möglicher Prozess könnte dann im Juni beginnen. Die Ermittlungen zu weiteren Opfern und möglichen Tätern seien noch nicht abgeschlossen. Auch das Verhalten von acht Mitarbeitern von Jugendämtern und zwei Polizisten, die nach Hinweisen auf sexuellen Missbrauch möglicherweise falsch reagiert haben, werde weiter untersucht. Vor 17 Jahren soll dem 56-jährigen Hauptverdächtigen schon einmal der Missbrauch eines achtjährigen Mädchens vorgeworfen worden sein. Ein Ermittlungsverfahren war damals offenbar nicht eingeleitet worden.