Ein Polizist, der für mehrere Monate Leiter der Ermittlungskommission im Missbrauchsfall von Lügde war, ist vorläufig vom Dienst enthoben worden. Nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) stand der Beamte den Ermittlungen bei der Polizei Lippe von Mitte Dezember 2018 bis Anfang Januar 2019 vor.

Dem Innenminister zufolge besteht gegen ihn wegen eines anderen Sexualstraffalls der Verdacht der Strafvereitelung im Amt. In dem Fall seien Beweismittel nicht mehr auffindbar gewesen, sagte Reul im Innenausschuss des Landtags. Gleiches ist auch im Fall Lügde geschehen.

Im Fall Lügde habe der suspendierte Polizist jenen Polizeischüler betreut, der 155 CDs und DVDs gesichtet hatte, die aus einem Asservatenraum verschwanden. Der Verlust war erst Wochen später aufgefallen. Anfang März sei gegen den Ermittlungskommissionsleiter ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

In Lügde wird wegen vielfachem Kindesmissbrauch ermittelt: Seit 2008 sollen auf dem Campingplatz mindestens 34 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren sexuell missbraucht und teilweise dabei gefilmt worden sein. Drei Verdächtigen im Alter zwischen 33 und 56 Jahren wirft die Polizei schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und den Besitz von Kinderpornografie vor.

Wegen der eklatanten Versäumnisse bei der Ermittlungsarbeit hatte sich der Fall zu einem Behördenskandal ausgeweitet. Drei Beamte aus der Führung der Polizei Lippe sind nach Informationen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums bereits versetzt worden. Gegen zwei weitere Polizisten laufen Strafverfahren, weil sie frühe Hinweise auf den Kindesmissbrauch nicht an die Staatsanwaltschaft Detmold weitergeleitet haben sollen.