Der Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland hat die Frage aufgeworfen, wie hoch das Risiko ist, dass auch in Deutschland Moscheen angegriffen werden. Werden Nachahmer ermutigt? Und was wünschen sich die Moscheeverbände?

Innenminister Horst Seehofer formuliert vorsichtig: Religiöse Einrichtungen könnten auch in Deutschland Ziel von Terroristen werden. Er kündigte an, bei "akutem Bedarf" auch Moscheen stärker schützen zu lassen. Andreas Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, kann auch keine Prognose abgeben. Dass es in rechtsextremen Netzwerken aber viele positive Kommentare auf die Tat in Neuseeland gegeben habe, sieht er als Hinweis für ein mögliches Nachahmungsrisiko. In Deutschland habe es Nachahmer schon häufiger gegeben, sagt Zick – bei Schulamoktaten, bei rechtsextremistischen und islamistischen Anschlägen.

Ob es wirklich dazu kommt, hängt laut dem Forscher von verschiedenen Faktoren ab: Je radikalisierter eine Person sei, je stärker sich diese Person mit dem Täter und seinen Ideologien identifiziere und Ähnlichkeiten sehe, desto höher sei das Risiko. Es spiele auch eine Rolle, ob die Person Waffen habe oder sich leicht beschaffen könne und wie gut ein potenzieller Täter in eine extremistische Zelle eingebunden sei.

Manchmal wollten radikale Zellen ein ähnliches Zeichen setzen, ohne die Tat zu imitieren, sagt Zick. So wurden Anschläge auf Unterkünfte für Geflüchtete etwa Vorbild für neue, andere Anschläge. Außerdem könne für einige Personen eine solches Attentat eine Initialzündung dafür sein, sich selbst weiter zu radikalisieren.

Angriffe auf Muslime in Deutschland

Neu ist die Gefährdung jedoch nicht. Muslime in Deutschland wurden schon lange vor den Christchurch-Attentaten beleidigt, beschimpft, genötigt und verletzt. Sachbeschädigungen und Schmierereien wurden ebenfalls angezeigt. 2017 wurden laut Bundesinnenministerium insgesamt 1.075 solche als islamfeindlich eingestufte Straftaten erfasst. Etwa 239 Moscheen wurden angegriffen.

Für das Jahr 2018 liegen die endgültigen Zahlen des Bundesinnenministeriums noch nicht vor. Allerdings gab es auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion vorläufige Zahlen, die zeigen, dass die Taten insgesamt zurückgingen. Von Januar bis September zählten die Behörden 578 islamfeindliche Straftaten, in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 waren dagegen rund 780 Übergriffe auf Muslime, Moscheen und andere muslimische Einrichtungen gezählt worden. Die Zahl der Verletzten nahm allerdings 2018 zu: 40 Menschen seien bereits bis September bei islamfeindlichen Angriffen verletzt worden. 2017 waren es im gleichen Zeitraum 27, im gesamten Jahr 32. 

Laut einer Zählung des Zentralrats der Muslime in Deutschland gab es 2018 mehr als 100 Angriffe auf Moscheegemeinden in Deutschland. Dazu zählten neben Gewalttaten etwa auch Hasspostings in sozialen Netzwerken. 2019 seien bereits 20 solche Angriffe verübt worden. Die Situation verschärfe sich seit 2015, dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Die Dunkelziffer sei außerdem sehr hoch. Hakenkreuze an der Wand würden oft einfach übermalt und nicht angezeigt.

Polizeischutz für Synagogen und Moscheen

Trotzdem wird nach Angaben des Zentralrats der Muslime derzeit keine Moschee in Deutschland dauerhaft geschützt. Schutz gebe es nur temporär über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen.

Offizielle Zahlen darüber, wie viele Moscheen in Deutschland bereits geschützt werden und wie lange, gibt es nicht. Der Polizeischutz ist Aufgabe der Länder. In Berlin werden beispielsweise 700 Objekte geschützt. Darunter sind etwa Botschaften und Gebäude des Bundes und des Landes Berlin. Aber auch Synagogen, jüdische Schulen und Kindergärten oder auch Moscheen. Martin Halweg, Sprecher bei der Berliner Polizeibehörde, sagt: Nach den Anschlägen in Christchurch gebe es keine konkrete Bedrohung für deutsche Moscheen, sie sei aber abstrakt hoch. Deshalb stünden alle Sicherheitsbehörden in einem regen Informationsaustausch, aber es würden jetzt pauschal keine Schutzmaßnahmen für alle Moscheen geplant. Ähnlich äußert sich auch die Hamburger Polizeibehörde.

Welche und wie viele Gebetsräume konkret geschützt werden, werde immer wieder neu bewertet – und die Maßnahmen würden der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt, um die Sicherheit nicht zu gefährden. Weithin sichtbare Schutzmaßnahmen, etwa vor großen jüdischen Synagogen, ausgenommen.

Dauerhaft alle Moscheen mit Wachtposten zu schützen, wie die großen Synagogen, wäre allerdings aufwendig. Denn deren Zahl ist wesentlich höher als die der Synagogen. Es gibt keine verlässliche Zahl über die Moscheen in Deutschland, geschätzt sind es etwa 2.700 Moscheen im Vergleich zu rund 130 Synagogen und jüdischen Gebetsräumen.