Der mutmaßliche Schütze von Utrecht ist nach Angaben der Polizei festgenommen worden. Der 37-Jährige sei am Montagabend nach einer mehrstündigen Großfahndung bei einer Wohnungsdurchsuchung gefasst worden, sagte Einsatzleiter Rob van Bree bei einer Pressekonferenz. Bei den Schüssen in einer Straßenbahn in der niederländischen Stadt waren am späten Vormittag drei Menschen ums Leben gekommen. Fünf Menschen wurden verletzt, wie Utrechts Bürgermeister Jan van Zanen sagte. Drei von ihnen seien in kritischem Zustand, teilte die Polizei mit.

Das Motiv des Täters ist weiter unklar. Rutger Jeuken vom niederländischen Innenministerium sagte, die Spuren deuteten auf ein terroristisches Motiv hin, jedoch könnten auch andere Motive nicht ausgeschlossen werden. Am Nachmittag hatte ein Polizeisprecher auch auf einen persönlichen Hintergrund hingewiesen: "Es könnte auch sein, dass es eine Beziehungstat ist." Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte hatte zunächst von einem Anschlag gesprochen, am Abend aber eingeschränkt: "Aber ob es ein terroristisches Motiv gab, das müssen wir noch herausfinden."

Nach der Festnahme stufte die zuständige Behörde die Terrorwarnstufe für die Provinz von der höchsten Stufe 5 auf 4 herab. Die niederländische Polizei hatte zuvor Namen und Foto des verdächtigen Mannes aus der Straßenbahn veröffentlicht. Wer den Mann sehe, solle sich ihm nicht nähern, sondern die Polizei rufen, hieß es. Die Stadtverwaltung hatte die Menschen außerdem vorübergehend dazu aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Kitas und Schulen wurden angewiesen, ihre Türen geschlossen zu halten. Auch Moscheen und die Universität wurden vorsorglich geschlossen. Einem Rundfunkbericht nach wurden zudem die Sicherheitsvorkehrungen am Regierungssitz in Den Haag verstärkt.

Verdächtiger war der Polizei bekannt

Der mutmaßliche Täter ist polizeibekannt. "Wir wissen relativ viel über ihn", sagte Jeuken. Der Verdächtige hat nach Medienberichten ein langes Vorstrafenregister, im Dezember 2013 wurde er wegen versuchten Mords verurteilt, vor zwei Wochen begann eine Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs. Darüber hinaus wurde er wegen Ladendiebstahls, Sachbeschädigung und Beleidigung vor Gericht gestellt.

Im Zusammenhang mit der Tat wurde nach Angaben der Polizei ein zweiter Verdächtiger festgenommen. Es sei aber unklar, inwieweit er beteiligt gewesen sei. Der Vorwurf laute auf Verdacht des Totschlags mit einem terroristischen Motiv. Näheres wurde zunächst nicht bekannt.

Die Bundespolizei hatte im Laufe des Tages ihre Kontrollen an der deutsch-niederländischen Grenze verstärkt. Die Fahndung im Grenzgebiet wurde inzwischen aber wieder zurückgefahren.

Am Nachmittag hatte Ministerpräsident Mark Rutte gesagt: "Unser Land ist heute durch einen Anschlag aufgeschreckt worden." Gewalt habe unschuldige Menschen getroffen. "Ein Terrorakt ist ein Angriff auf unsere Zivilisation." Es werde alles versucht, um den oder die Täter zu fassen. "Wir werden nie vor Intoleranz weichen", sagte der Mitte-rechts-Politiker.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich solidarisch mit den Opfern. "In Sorge und Solidarität denken wir in diesen Stunden an die Menschen in #Utrecht", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. "Da ist vor allem die Trauer um die Opfer des Anschlags in der Straßenbahn. Dazu die Hoffnung, dass der Täter rasch gefasst werden kann und niemand weiter in Gefahr gerät." Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verurteilte die "blutige Gewalt", an die man sich nicht gewöhnen werde. "Wir sind an Ihrer Seite in der Trauer und in der Entschlossenheit, gegen diejenigen zu kämpfen, die den Terror durchsetzen wollen", twitterte Macron.

Utrecht liegt südöstlich von Amsterdam und ist die viertgrößte Stadt des Landes. Sie hat etwa 350.000 Einwohner und ist 75 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze.