R. Kelly - Sänger wehrt sich gegen Missbrauchsvorwürfe Im Interview mit einem amerikanischen TV-Sender streitet der R-'n'-B-Sänger die Anschuldigungen gegen sich ab. Ihm wird sexueller Missbrauch in zehn Fällen vorgeworfen. © Foto: AP Photo/Matt Marton, File

In seinem ersten Fernsehinterview seit der Anklage wegen sexuellen Missbrauchs hat Sänger R. Kelly seine Unschuld beteuert. In einem vorab veröffentlichten Ausschnitt des Gesprächs für die Sendung CBS This Morning nannte der verärgert wirkende Musiker die Vorwürfe gegen ihn, minderjährige Mädchen missbraucht zu haben, "nicht wahr". Die Anschuldigungen seien "Gerüchte".

"Egal ob es sich um alte Gerüchte, neue Gerüchte oder zukünftige Gerüchte handelt, sie sind nicht wahr", sagte Kelly in dem Interview, das an diesem Mittwoch ausgestrahlt werden soll. Der Sänger kritisierte, dass die gegen ihn seit Jahren vorliegenden Missbrauchsvorwürfe nun erneut hervorgeholt würden. Damit sollten die vor Gericht verhandelten Anschuldigungen in der Öffentlichkeit als "real" dargestellt werden.

Kelly bricht in Tränen aus

Auf die Frage der Moderatorin, ob er Frauen gegen ihren Willen als Sklavinnen gehalten habe, antwortete Kelly: "Das ist dumm!" Wie blöd müsste er sein, um "Mädchen gegen ihren Willen festzuhalten, sie in meinem Keller anzuketten und sie nicht essen oder rauszulassen", fragte Kelly. Als die Moderatorin nachhakte, reagierte der Sänger aufgebracht: "Hört auf. Ich habe den Kram nicht gemacht! Das bin nicht ich!" Dann brach er in Tränen aus. "Ich kämpfe um mein verdammtes Leben!"  

R. Kelly war am 22. Februar wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen angeklagt worden. Die Taten sollen sich über einen Zeitraum von zwölf Jahren erstreckt haben. Einige der mutmaßlichen Opfer sollen minderjährig gewesen sein. Vor Gericht plädierte der frühere R-'n'-B-Star auf nicht schuldig. Kelly kam trotzdem ins Gefängnis, wurde nach dem Wochenende aber gegen Kaution freigelassen. Wann der Prozess gegen ihn beginnt, ist unklar.

Laut Staatsanwaltschaft geht es in dem Verfahren um Fälle aus den Jahren 1998 bis 2010. Staatsanwältin Kimberly Foxx berichtete unter anderem von einem rund 40-minütigen Video, das den Star beim wiederholten Sex mit seinem jüngsten Opfer zeige. In dem Video sage das Mädchen immer wieder, dass es 14 Jahre alt sei. Ein weiteres Mädchen lernte der Sänger laut Staatsanwaltschaft auf dessen 16. Geburtstag kennen; eine dritte Minderjährige traf er zum ersten Mal 2008 während eines Gerichtsprozesses wegen Pädophilie, als sie ihn um ein Autogramm bat. Im vierten Fall handelt es sich um eine 24-jährige Friseurin, die von Kelly missbraucht worden sein soll. 

CBS plant Interviews mit Kelly-Partnerinnen

Vorgeworfen wird ihm der Missbrauch von minderjährigen Frauen bereits seit Jahrzehnten. Von einer Anklage aus dem Jahr 2002 wegen des Besitzes von Kinderpornografie wurde er sechs Jahre später freigesprochen. Die neue Anklage und vorherige Ermittlungen gehen auf eine jüngst ausgestrahlte Fernsehdokumentation zurück, in der mehrere Frauen den Sänger erneut beschuldigen, Sex mit minderjährigen Mädchen gehabt zu haben. Andere Zeugen versicherten, er habe Frauen wie Sexsklavinnen gehalten.

Auch CBS plant nach eigenen Angaben die Ausstrahlung von Interviews mit zwei Frauen, die mit Kelly zusammenleben. Eine von ihnen soll laut ihren Eltern gegen ihren Willen festgehalten werden.

Unter dem Hashtag #MuteRKelly ruft eine Bewegung zum Boykott seiner Musik auf. Zuletzt hatte das Plattenlabel RCA die Zusammenarbeit mit dem lange Zeit erfolgreichen Sänger aufgekündigt und einige Künstler – unter anderem John Legend – hatten sich von Kelly distanziert. Lady Gaga kündigte Anfang Januar an, nie wieder mit Kelly zusammenzuarbeiten. In dem CBS-Interview kommentierte der Musiker diese Aussage mit den Worten: "Sie ist ein großes Talent. Es ist schade, dass es mit ihrer Intelligenz bei dieser Sache nicht so weit her ist."