Einen Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen soll es künftig nicht mehr geben, die "langfristige Sicherung der Akten" würde dem Bundesarchiv unterstellt. So sieht es das Konzept vor, das der aktuelle Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen, Roland Jahn, und der Präsident des Bundesarchivs, Michael Hollmann, in Berlin vorgestellt haben. Ob und in welcher Form es die jetzige Jahn-Behörde weiter gibt, blieb offen.

Demnach soll auf dem Gelände der ehemaligen Stasizentrale in Berlin-Lichtenberg ein größeres "Archivzentrum zur SED-Diktatur" entstehen. Dazu gehört auch ein Kompetenzzentrum mit Werkstätten zur Restaurierung und Digitalisierung der Akten. Opfer, Wissenschaftlerinnen und Journalisten sollen dort künftig nicht nur die Papiere des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit auswerten können, sondern auch die Akten der SED. Die Bestände liegen derzeit im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde. Der Bundestag hatte Jahn und Hollmann vor drei Jahren damit beauftragt, ein solches Konzept zu erstellen.

DDR-Geheimdienst - Bundesarchiv bald zuständig für Millionen Stasiunterlagen Nach 30 Jahren wird die Stasiunterlagenbehörde ins Bundesarchiv eingegliedert. Die rund 1.500 Arbeitsplätze der Behörde sollen bestehen bleiben. © Foto: Roos Mulders

Neben dem Wegfall des Bundesbeauftragten und der Neuausrichtung des Archivzentrums soll auch die Zahl der Außenstellen verringert werden. Aktuell sind die Bestände des Stasiunterlagenarchivs in Lichtenberg und an zwölf weiteren Standorten in Ostdeutschland untergebracht. Künftig soll es in jedem der neuen Bundesländer nur noch eine Vertretung mit Archiv geben. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben prüfte bereits mögliche Standorte.

Zu den Kosten konnten die beiden Archivare keine genauen Angaben machen. Hollmann schätzte aber, auf die neuen Bundesländer komme pro Land ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag für die Bauten zu. Es seien nun zeitnah Entscheidungen des Bundestags erforderlich, um das Konzept umzusetzen.

Jahn und Hollmann versicherten, das Recht auf Aktenzugang bleibe auch 30 Jahre nach dem Mauerfall unverändert und erfolge weiterhin auf Basis des Stasiunterlagengesetzes. "Den Opfern gerecht werden und gleichzeitig eine Brücke zur nächsten Generation schlagen – das ist und bleibt die Mission des Stasiunterlagenarchivs", sagte Jahn. "Die Akten bleiben offen."

2018 stellten laut Jahn rund 45.000 Menschen Antrag auf persönliche Akteneinsicht. 2017 seien es noch mehr als 48.000 Menschen gewesen, wie es im 14. Tätigkeitsbericht heißt. In dem Archiv befinden sich neben 111 Kilometern Stasiakten auch 1,8 Millionen Fotos und Tausende Filmdokumente.