Nach dem Tropensturm Idai befürchten Helfer den Ausbruch lebensgefährlicher Krankheiten in den betroffenen Ländern Mosambik, Simbabwe und Malawi. Es bestehe ein "hohes Risiko für durch Wasser übertragbare Krankheiten" wie Cholera oder Typhus, sagte der Präsident der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRK), Elhadj As Sy. Hunderttausende Menschen seien dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Besonderes Augenmerk müsse dabei auf Hygieneeinrichtungen und sauberes Wasser gelegt werden.

Die Regierung in Mosambik habe bereits Choleraverdachtsfälle registriert. Er könne diese Fälle jedoch noch nicht bestätigen, sagte Sy. "Wir bereiten uns schon auf das Schlimmste vor." Viele über Wasser übertragbare Krankheiten seien ein großes Risiko, aber vermeidbar. Ob es zu Epidemien komme, hänge von der Qualität und Schnelligkeit der Hilfe vor Ort ab.

Am 15. März hatte der schwere Tropensturm weite Teile von Mosambik, Malawi und Simbabwe verwüstet und mit heftigen Regenfällen vor allem in Mosambik weite Landstriche unter Wasser gesetzt. Rund 700 Menschen sind nach Regierungsangaben ums Leben gekommen. Die tatsächliche Opferzahl dürfte nach Einschätzung von Helfern jedoch deutlich höher liegen.

Um die vom Zyklon Idai verursachte Notlage zu bewältigen, kündigte nun auch das US-Militär an, die Helfer zu unterstützen. Zudem wollen Organisationen wie die Welthungerhilfe und Ärzte ohne Grenzen ihre Hilfseinsätze weiter ausbauen. Während die genauen Bedürfnisse noch bewertet würden, bringe das US-Militär bereits Einsatzmittel, teilte das US-Oberkommando für Afrika mit. Das Verteidigungsministerium sei "bereit, dabei zu helfen, Leben zu retten und die Not mit zeitnaher und bedeutender Unterstützung" zu lindern. 

Das Katastrophengebiet erstreckt sich über Hunderte Kilometer von Mosambik nach Simbabwe und Malawi. Hilfsorganisationen sprechen von einer großen humanitären Krise. Nach UN-Schätzungen sind rund drei Millionen Menschen betroffen. Allein in Mosambik sollen rund 400.000 Menschen zeitweise obdachlos geworden sein.

Sorgen um von Eltern getrennte Kinder

Viele Orte in Mosambik sind wegen der Überschwemmungen nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten und können nur per Boot oder aus der Luft erreicht werden. In der Großstadt Beira gab es auch weiterhin keinen Strom.

Helfer machten sich zudem Sorgen über die Tausenden Kinder, die wegen des Sturms ihre Eltern verloren haben oder von ihren Familien getrennt wurden. "Wir müssen jetzt sehr schnell handeln, damit diese Kinder nicht in die Hände von Menschenhändlern fallen oder Opfer von sexueller Gewalt oder Frühverheiratung werden", sagte Claire Rogers, die Chefin von World Vision Australien. Die Not sei groß. Babys, die im Krankenhaus in Beira behandelt wurden, starben, als der Strom für ihre Pflege ausging, wie Rogers schilderte. Das Krankenhaus wird mithilfe von Generatoren mit Strom versorgt.

In Mosambiks Nachbarland Simbabwe stieg die Zahl der Todesopfer infolge des Sturms laut Regierung inzwischen auf 259. Allerdings gab die Regierung eine Entwarnung: Ein Staudamm im Bezirk Chimanimani, der zuvor laut Zivilschutzbehörde zu brechen drohte, wurde für sicher erklärt. Zuvor hatten die Behörden Tausende Menschen stromabwärts zur Evakuierung aufgefordert.