Knapp vier Monate nach den Übergriffen von vier jungen Asylbewerbern auf Passanten und Polizisten im bayerischen Amberg hat am Morgen der Prozess gegen die Täter begonnen. Vor dem Amtsgericht müssen sich die zur Tatzeit 17 bis 21 Jahre alten Heranwachsenden aus Afghanistan und dem Iran wegen verschiedener Körperverletzungsdelikte, Nötigung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten.

Zu Prozessbeginn ließen alle vier Angeklagten von ihren Verteidigern Erklärungen mit umfassenden Geständnissen verlesen. Darin bedauerten die jungen Männer ihre Taten. Dass es zu den Übergriffen kam, erklärten sie vor allem mit dem ausschweifenden Alkoholkonsum und Konsum von Betäubungsmitteln. Im Gegenzug für die Geständnisse stellte das Gericht drei der vier Angeklagten Bewährungsstrafen zwischen sechs Monaten und eineinhalb Jahren in Aussicht. Nur der als Haupttäter geltende Angeklagte muss demnach ins Gefängnis, ihm drohen zwischen 26 und 30 Monaten Jugendhaft.

Alle vier Angeklagten sitzen seit den Vorfällen in Untersuchungshaft. Sie sollen am 29. Dezember 2018 wahllos Passanten angegriffen und beleidigt haben. Insgesamt sollen sie 21 Menschen attackiert haben, 15 wurden verletzt.

Debatte um Abschiebungen

Der Fall hatte eine Debatte darüber ausgelöst, ob straffällig gewordene Asylbewerber leichter abgeschoben werden sollen. Von den vier Tatverdächtigen soll es nur bei einem rechtlich möglich sein, ihn abzuschieben.

Das Gericht will den für viel Aufregung in der oberpfälzischen Stadt sorgenden Fall sorgfältig aufklären. In einem für einen Prozess vor einem Amtsgericht ungewöhnlich umfangreichen Terminplan setzte das Gericht  25 Verhandlungstage an. An diesen sollen die Opfer der Attacken, darunter auch zur Hilfe gerufene Polizisten, und zahlreiche Augenzeugen zu Wort kommen.

Nach den Attacken gab es zudem Meldungen über eine rechte Bürgerwehr in der Stadt. Dahinter steckten aber wohl nur wenige NPD-Mitglieder, die für kurze Zeit mit Schutzwesten in Amberg posierten und damit eine PR-Aktion erreichen wollten.