Die Zahl der registrierten antisemitischen Vorfälle in Berlin ist im vergangenen Jahr gestiegen. Insgesamt meldeten Betroffene 1.083 Vorfälle, wie die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) in ihrem Jahresbericht (PDF) mitteilte. Das waren im Vergleich zum Vorjahr 14 Prozent mehr. Die Zahl der registrierten tätlichen Angriffe hat sich dabei mehr als verdoppelt, sie stieg von 18 auf 46.

Am häufigsten waren einzelne Menschen betroffen (73 Prozent). Über die Hälfte davon war jüdisch, doch auch zahlreiche nicht jüdische Menschen wurden angefeindet oder bedroht. Daneben gab es 831 Fälle von verletzendem Verhalten – ein Anstieg von 22 Prozent. Dazu gehören schriftliche oder mündliche Anfeindungen sowie Propaganda mit antisemitischen Inhalten.

Anhand der Zahlen lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, ob es mehr Vorfälle gab oder mehr Vorfälle gemeldet wurden. Der Rias-Projektleiter, Benjamin Steinitz, geht von einem großen Dunkelfeld aus, sagte er ZEIT ONLINE. Allerdings sei die Meldestelle seit Jahren in der jüdischen Gemeinde in Berlin so gut bekannt, dass er nicht davon ausgehe, dass sich nun das Meldeverhalten stark geändert habe. Er sieht einen tatsächlichen Anstieg der Taten. "Wir stellen im Vergleich zu den vergangenen Jahren eine zunehmende Bereitschaft fest, antisemitische Aussagen mit konkreten Gewaltandrohungen zu verbinden oder ihnen gar Gewalt folgen zu lassen", sagte Steinitz. Diese Verrohung geschehe jedoch "nicht im luftleeren Raum", sondern auch im Kontext wachsender Zahlen niedrigschwelliger Formen von Antisemitismus, der den Alltag von Betroffenen präge.

Der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) bescheinigte der Stadt ein "Antisemitismusproblem", das sich in der Gesellschaft verfestigt habe. Der Kampf gegen Antisemitismus müsse eine "Querschnittsaufgabe" sein.

Korrekturhinweis: Die Zahl der registrierten tätlichen Angriffe stieg von 18 auf 46 im Jahr 2018. Wir haben das im Text korrigiert.