Hassan ist heute Stuckateur in Cottbus. Sein Chef Hans-Martin Schweizer sagt: "Hassan ist fleißig und immer pünktlich, obwohl er während der Ausbildung manchmal schon um vier Uhr in Forst losmusste, damit er um sieben auf der Baustelle ist. Jemand mit einem Charakter wie Hassan kann jede Firma als Auszubildenden einstellen." Hassan sagt: "Weißt du, ich bin hier der Gewinner."

Als sein Asylantrag abgelehnt wird, arbeitet der damals 29-jährige Hassan* gerade in Cottbus an seinem Realschulabschluss. Es war keineswegs klar, dass er den bestehen würde: Ende 2012 kam er aus dem Tschad nach Deutschland, dort hatte er nur fünf Jahre eine religiöse Schule besucht. Doch er schaffte es.

Dass Hassan nicht ausreisen musste, obwohl er kein Asyl bekam, liegt an der sogenannten 2+3-Regelung: Auch abgelehnte Asylbewerber dürfen für insgesamt fünf Jahre in Deutschland bleiben, wenn sie eine Ausbildung absolvieren und anschließend eine Anstellung finden. 

Hassans Familie lebt in seinem Heimatland Tschad. Ein Land, in dem sich trockene Wüsten erstrecken und wo es wegen der politischen Instabilität wenig wirtschaftliches Wachstum gibt. In einem Café in Cottbus erzählt er von seiner Flucht und seiner Ankunft in Deutschland.

Die Flucht über das Mittelmeer

Bereits 2008 floh er nach Libyen. Als dort 2011 der Krieg ausbrach, nahm er ein Boot nach Italien. "Das Schiff war sehr klein und eng", sagt Hassan. Er und die 350 anderen Menschen an Bord hätten schon die Hoffnung verloren, zu überleben. Zwei Tage dauerte ihre Reise, bis sie Italien heil erreichten. Erst von dort rief er seine Mutter an und sagte, dass er jetzt in Europa ist. In Italien fand er keine Arbeit, deshalb machte er sich auf den Weg nach Deutschland, wo Fachkräfte knapp sind.

Doch Hassan war keine Fachkraft, sondern ein junger Mann ohne Schulabschluss. Sein Traum sei es gewesen, ein ruhiges und gemächliches Leben in diesem Land zu haben, sagt er. Er hatte keine Ahnung von den Schwierigkeiten, die ihn in Deutschland erwarteten. "Das war Dunkelheit wie in der Nacht", sagt Hassan.  

Ende 2012 stellte er seinen Asylantrag in Eisenhüttenstadt. Von dort wurde er nach Forst in der Lausitz transferiert, eine kleine Stadt im östlichen Brandenburg. Drei Jahre wohnt er in einem Wohnheim mit drei anderen geflüchteten jungen Männern in einem Zimmer. Sie teilen sich die Küche und die Toiletten auf der Etage. Hassan geht zur Schule. Seine schlechten Erinnerungen an die Flucht waren noch nicht vergessen, als sein Asylantrag abgelehnt wurde.

Aber Hassan hatte Glück: Hans-Martin Schweizer hatte sich an die Handwerkskammer gewandt, weil er keine Auszubildenden für seinen Cottbusser Betrieb fand. Er dachte eigentlich, er würde Flüchtlinge aus Syrien oder Afghanistan einstellen. Die Handwerkskammer vermittelte ihm Hassan, der sich ebenfalls dorthin gewandt hatte auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. "Wir versuchen, diesen Menschen Chancen zu bieten", sagt Schweizer. Gleichzeitig sind die neuen Auszubildenden auch eine Chance für seinen Betrieb. Dieses Jahr möchte Schweizer noch einen Auszubildenden aus Syrien einstellen. 

Während der Berufsausbildung bekommen Menschen wie Hassan eine Duldung für die gesamte Zeit der Ausbildung. Danach, wenn sie im Ausbildungsbetrieb arbeiten können oder einen neuen Arbeitsplatz finden, bekommen sie eine Aufenthaltserlaubnis für zwei Jahre. So regelt es das Integrationsgesetz seit 2016.

Er fiel durch die erste Prüfung

"Die erste Zeit hatten wir Angst, dass es innerhalb des Betriebes heißt: Flüchtlinge, was soll das, die wollen wir nicht nehmen", sagt Schweizer. "Bei uns ist immer Teamarbeit angesagt, da hatten wir Sorge." Die war unbegründet, habe sich jedoch gezeigt: "Nicht ein Arbeitskollege hatte mit Hassan Probleme", sagt Schweizer. Allerdings, sagt er, habe Hassan in der Schule Probleme gehabt, weil er noch nicht genug Deutsch sprach. Bei der ersten Prüfung sei er durchgefallen. Während des Unterrichts musste er sich nicht nur in einer neuen Sprache und schwierigen Fächern wie Mathe zurechtfinden, sondern auch viele Fachbegriffe lernen. Ein anderes Problem für ihn war die manchmal rassistische Umgebung. "Auf Straße beschimpfte mich ein Mann und rief immer 'Ebola'", erzählt Hassan. "Das habe ich in der Schule auch erlebt. Die Menschen wollten mich damit demütigen und das bedrückt mich sehr." 

Seine Lehre hat er dagegen in guter Erinnerung, sein Chef und seine Kollegen seien sehr gut mit ihm umgegangen, sie würden einander gut verstehen. Das ist für Hassan die wichtigste Sache bei seiner Arbeit, sagt er. "Ich bin stolz auf meine Hautfarbe. Ja, ich habe eine schwarze Haut, die hat Gott mir geben. Ich hasse niemanden und ich habe für alle Menschen Respekt, außer für diejenigen, die denken, ich sei ein Mensch zweite Klasse."

Bei der praktischen Arbeit auf der Baustelle, sagt Schweizer, habe Hassan anders als in der Schule nie Probleme gehabt. Hassans Familie bestreitet ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft. Auch Hassan hat dort mitgearbeitet. Aber jetzt ist er ein Fachwerkstuckateur, arbeitet 40 Stunden in der Woche. Putzarbeiten, Malarbeiten, Stuck und Wärmedämmung gehören dazu. Bald, sagt er, würde er gern eine Familie gründen. Erst mal macht er noch einen Deutschkurs, Level B2.

*Um die Privatsphäre des Protagonisten zu wahren, verzichten wir auf die Nennung des Nachnamens.