Nach dem Busunglück auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira sollen die meisten der überlebenden deutschen Urlauber an diesem Samstag zurück in die Heimat gebracht werden. Das bestätigte Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa nach einem Besuch im Krankenhaus in der Inselhauptstadt Funchal, wo die Verletzten behandelt werden. Die Ursache für das Busunglück auf der Ferieninsel war auch am Karfreitag weiter ungeklärt.

Insgesamt wurden zwei Tage nach dem Unfall noch 16 der 28 Verletzten im Krankenhaus von Funchal behandelt, unter ihnen 14 Deutsche. Laut dem stellvertretenden Klinikleiter Miguel Reis sind alle in stabilem Zustand. Eine Verlegung nach Deutschland sei am Freitag aber noch nicht möglich. Zwei Verletzte lagen demnach noch auf der Intensivstation. Die Bundesregierung hat ein Evakuierungsflugzeug der Bundeswehr in Bereitschaft gestellt. Es werde die Verletzten so bald wie möglich nach Deutschland transportieren, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Am Karfreitag reisten erste Angehörige der Verunglückten nach Angaben des Reiseveranstalters trendtours nach Madeira. Dort sollen sie von Fachkräften in Empfang genommen und unterstützt werden. Am Flughafen von Funchal wurde eine provisorische Leichenhalle eingerichtet. Die zuständige Klinik hofft darauf, die sterblichen Überreste der Opfer ab Samstag an die Angehörigen übergeben zu können.

Überlebende und ihre Angehörigen nahmen am Karfreitag in Funchal an einem Gedenkgottesdienst teil. Zu der Trauerfeier hatte die Pfarrerin der Deutschsprachigen Evangelischen Kirche Madeiras, Ilse Everlien Berardo, eingeladen. Der 45-minütige Gottesdienst, an dem auch Präsident Rebelo de Sousa teilnahm, war nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. "Portugal trauert, Deutschland trauert, und die Solidarität kommt aus dem Herzen beider Nationen, und nicht nur dieser beiden Nationen", sagte die  Pfarrerin vor Beginn der Trauerfeier: "Wir sind dankbar für alle tröstlichen Worte." 

Sechs Jahre alter Bus

Bei dem Unfall am Mittwochabend nahe der Ortschaft Caniço waren nach Angaben der portugiesischen Behörden 29 deutsche Touristen ums Leben gekommen. Deutschland will erst nach Abschluss der Identifizierung der Toten Stellung zur Anzahl der deutschen Unglücksopfer nehmen. Aus noch ungeklärter Ursache verlor der Fahrer in einer engen Kurve die Kontrolle über den mit mehr als 50 Passagieren besetzten Reisebus, der daraufhin eine Böschung hinabstürzte und in ein Haus krachte. Das Auswärtige Amt in Berlin hat für Angehörige unter der Telefonnummer 030–50002000 eine Hotline eingerichtet.

Trendtours bezeichnete die Busfirma als seriösen und verlässlichen Partner. Der sechs Jahre alte Bus sei laut den Informationen, die dem Unternehmen vorliegen, Ende Januar 2019 zur Inspektion gewesen und habe im Rahmen dieser Inspektion eine gültige Zulassung bis Februar 2020 erhalten. Den laufenden Ermittlungen der Behörden zur Unfallursache wolle man nicht vorgreifen. 

Die meisten Opfer hatten ihre Reise bei trendtours Touristik aus Frankfurt am Main gebucht. 51 Urlauber in dem Bus waren laut Angaben des Reiseveranstalters eigene Kunden. Zwei weitere Betroffene waren Kunden von Schauinsland-Reisen aus Duisburg.

Maas besuchte Unglücksstelle

Bundesaußenminister Heiko Maas besuchte am Donnerstagabend die Unglücksstelle und bedankte sich bei den portugiesischen Behörden für die "großartige Zusammenarbeit in einer ganz schwierigen Zeit". Maas legte mit seinem portugiesischen Kollegen Augusto Santos Silva und dem Vizepräsidenten der Regionalregierung von Madeira, Pedro Calado, einen Kranz nieder.

Die Bundesregierung arbeite mit Hochdruck daran, die transportfähigen Verletzten nach Hause zu bringen, die Todesopfer zu identifizieren und die Angehörigen zu informieren, sagte der Außenminister. Der Minister war mit Ärzten, Psychologen und Konsularbeamten des Auswärtigen Amtes auf die Ferieninsel gereist, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen und selbst mit den Betroffenen zu sprechen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie denke mit Trauer und Bestürzung an "unsere Landsleute und alle Menschen, die von dem fürchterlichen Busunglück auf Madeira betroffen sind". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa und Regierungschef António Costa bekundeten ebenfalls ihre Anteilnahme. Portugals Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Ermittlungen zur Unfallursache dauern an

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung zur Unfallursache ein. Laut Medienberichten könnte ein mechanisches Problem der Grund gewesen sein – entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Pedro Calado, nannte jegliche Mutmaßungen zu der Unglücksursache verfrüht. Die Fahrzeuge der Autonomen Region Madeira würden regelmäßig überprüft. Auch sei der Fahrer sehr erfahren gewesen.