Ein Kurzschluss soll nach den bisherigen Ermittlungen für das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame ursächlich gewesen sein, wie ein Polizeibeamter der Nachrichtenagentur AP sagte. Die Staatsanwaltschaft teilte hingegen mit, dass "derzeit keine Hypothese ausgeschlossen" werde.

Bei dem Großbrand am Montag wurden das Dach sowie der Vierungsturm der gotischen Kirche zerstört, andere Bereiche wurden schwer beschädigt. Die Begutachtung der Schäden dauert noch an. Derzeit würden brüchig gewordene Wände des Gebäudes mit Holzbohlen gesichert, hieß es von der Polizei.

400 Feuerwehrleute hatten mehrere Stunden gebraucht, um den Brand zu löschen und die Struktur des Gebäudes zu retten, dessen Bau im 12. Jahrhundert begonnen wurde.

Bürgermeisterin würdigt Einsatzkräfte

Bei einem Festakt vor dem Pariser Rathaus würdigten Bürgermeisterin Anne Hidalgo sowie Frankreichs Innenminister Christophe Castaner die Arbeit der Einsatzkräfte. "An diesem Abend des 15. April sah ich euch Feuersoldaten in Aktion", sagte Hidalgo an die Feuerwehr gerichtet. Sie habe "Mut ohne Grenzen" gesehen. Mit ihrem Einsatz hätten die Helfer "einen Teil von uns allen gerettet." Laut Castaner hätten die Feuerwehrleute "ihr Leben riskiert, um Notre-Dame zu retten".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfing im Élysée-Palast Hunderte Feuerwehrleute, Polizisten, Mitarbeiter des Roten Kreuzes und des Zivilschutzes. "Sie haben uns beispielhaft gezeigt, wie wir alle sein sollten", sagte der Präsident. Die ganze Welt habe live am Fernseher verfolgen können, mit welchem Einsatz die Retter Notre-Dame in der Nacht zu Dienstag vor einem Einsturz bewahrt hätten.

Bislang ist weiter unklar, wie lange die Kathedrale geschlossen bleiben muss. Kirchen-Direktor Patrick Chauvet brachte für die Zeit des Wiederaufbaus eine Holzkirche auf dem Vorplatz ins Spiel. "Wir dürfen nicht sagen, die Kathedrale ist für fünf Jahre geschlossen, und das war's", sagte er dem Sender CNews.

Es sei möglich, dass die Kathedrale schon bald wieder geöffnet werde, falls es die Sicherheit des Gebäudes erlaube, sagte eine Sprecherin der Pariser Diözese. Allerdings sei es noch zu früh, um darüber eine verlässliche Aussage zu treffen. Sie reagierte damit auf Spekulationen, wonach die Kirche bis zu sechs Jahre geschlossen sein könnte.

Bürgermeisterin Hidalgo zeigte sich zuversichtlich, dass der Wiederaufbau bis zu den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 zu machen sei. "Üblicherweise gibt es bei solchen Vorhaben Schwierigkeiten, die nötigen Mittel zusammenzubekommen", sagte sie der italienischen Zeitung La Repubblica. Angesichts der nationalen und internationalen Solidarität existiere dieses Problem bei Notre-Dame allerdings nicht.

Die Brandkatastrophe hatte ein weltweites Echo und eine große Spendenbereitschaft ausgelöst. Es kamen bisher 850 Millionen Euro zusammen, der Großteil von Reichen und Firmen.

Gelbwesten werfen Spendern PR-Aktion vor

Doch gerade die Spenden der Reichen bergen Konfliktpotenzial: Linke Parteien, Gewerkschaftsführer und Aktivisten der Protestbewegung der Gelbwesten werfen ihnen vor, den Brand für eine PR-Aktion zu ihren Gunsten zu nutzen.

Der Unternehmer Bernard Arnault, Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH um die Marken Louis Vuitton, Dior und Fendi, verbat sich Kritik an seiner Großspende von 200 Millionen Euro. Ähnlich hatte sich zuvor bereits die Milliardärsfamilie Pinault geäußert, die 100 Millionen Euro für die Instandsetzung bereitstellen will. Das Internationale Olympische Komitee will eine halbe Million Euro spenden, wie sein Präsident Thomas Bach ankündigte.

Unterdessen verbat die Pariser Polizei den Gelbwesten, am Samstag wie geplant an der Kirche zu demonstrieren. Das Demonstrationsverbot gilt demnach aus "Sicherheitsgründen" und zum Schutz der beschädigten Kirche für die gesamte Seine-Insel Île de la Cité, auf der Notre-Dame steht.