Die Polizei hat in neun Bundesländern Razzien gegen ein mutmaßlich deutschlandweit aktives Islamisten-Netzwerk gestartet. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wird das Netzwerk verdächtigt, die radikalislamische Palästinensergruppe Hamas "finanziell und propagandistisch" zu unterstützen. Demnach wurden rund 90 Objekte durchsucht. An der Spitze des Netzwerks stünden die in Nordrhein-Westfalen ansässigen Vereine WWR-Help und Ansaar International. Ansaar hat seinen deutschen Hauptsitz in Düsseldorf. 

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen wird davon ausgegangen, dass die Organisationen dem extremistischen Milieu zuzurechnen sind. WWR-Help ruft auf seiner Internetseite zu Spenden für Bedürftige im Gazastreifen auf. Ansaar International hatte in der Vergangenheit auch für Hilfsaktionen unter anderem in Somalia, Syrien und Burma Spenden gesammelt. 

Die Razzien haben dem Innenministerium zufolge am Mittwochmorgen gegen 6.00 Uhr begonnen. Beteiligt seien Polizeibehörden in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein sowie die beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen ansässige Taskforce der Steuerfahndung NRW.

Dem Innenministerium zufolge besteht der dringende Verdacht, dass sich das Netzwerk gegen den Gedanken der Völkerverständigung gemäß Grundgesetz richte. Die beteiligten Organisationen seien nach aktuellem Ermittlungsstand dem "extremistischen Milieu zuzurechnen". Die USA, Israel und die EU haben die Hamas, die im Gazastreifen herrscht, als Terrororganisation eingestuft.

"Wer unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe die Hamas unterstützt, missachtet fundamentale Wertentscheidungen unserer Verfassung", wird Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in der Mitteilung zitiert. "Dadurch wird auch das Engagement der vielen Hilfsorganisationen diskreditiert, die sich unter schwierigen Rahmenbedingungen zur Neutralität verpflichtet haben." Die Ordnung des Grundgesetzes gebiete, gegen solche Aktivitäten mit Nachdruck vorzugehen. 

Verfassungsschutz beobachtete WWR-Help und Ansaar

Im Bericht des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes für 2017 ist von intensiven Kontakten zwischen WWR-Help und Ansaar International die Rede. Bei Ansaar wurden demnach zudem "intensive Kooperationen mit anderen Personen der extremistisch-salafistischen Szene" beobachtet.

Der Verfassungsschutz schrieb, auffällig sei, "dass es beim Personenkreis mittlerweile einige Überschneidungen zwischen diesem Verein und dem mittlerweile verbotenen Verein Die Wahre Religion/Lies! gibt". Dies deute darauf hin, dass Ansaar International in der extremistischen Szene ein Vakuum fülle, das durch das Verbot des Lies!-Vereins entstanden sei. Dieser hatte mit Koran-Verteilaktionen Aufmerksamkeit erregt.