Das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist vollständig gelöscht. Das teilte die Feuerwehr mit. Nach ersten Erkenntnissen sind bei dem Brand demnach drei Menschen leicht verletzt worden. Dabei handele es sich um zwei Polizisten und einen Feuerwehrmann.

Das Feuer war am Montagabend ausgebrochen, über Stunden schlugen Flammen in den Himmel. Der Brand brachte einen Kirchturm zum Einsturz und zerstörte weite Teile des Dachstuhls. Die Struktur des historischen Gebäudes konnte aber gerettet werden, ebenso die Fassade und die beiden Haupttürme. Priorität der Arbeiten sei es gewesen, die Struktur der beiden Türme zu schützen, sagte der Sprecher der Pariser Feuerwehr, Gabriel Plus, der Nachrichtenagentur AFP. Die Befürchtung sei gewesen, dass die Konstruktion der Türme geschwächt würde und die tonnenschweren Glocken von Notre-Dame abstürzen könnten.

Eine große Herausforderung für die Arbeiten sei die Sicherung der Kunstschätze gewesen, sagte Plus. Nach dem Einsturz des Spitzturms, der sich im Zentrum des Mittelschiffs befand, seien Leute aus dem Inneren der Kirche zurückgezogen worden. Dort sei dann ein Roboter eingesetzt worden. Eine der wichtigsten Reliquien wurde aus der brennenden Kathedrale gerettet. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, der Direktor des Gotteshauses. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Das Büro der Staatsanwaltschaft in Paris behandelt den Großbrand als Unfall. Brandstiftung und ein mögliches Terrormotiv werden vorerst ausgeschlossen. In französischen Medienberichten hieß es mit Verweis auf die Feuerwehr, es gebe eine mögliche Verbindung zu Renovierungsarbeiten am Spitzturm und dessen tonnenschwerer Holz- und Kupferauskleidung.

Paris - Brand zerstört Dachstuhl von Notre-Dame Die Kathedrale Notre-Dame de Paris stand bis in die Nacht in Flammen. Die Ermittlungsbehörden gehen aktuell von einem Unglück aus. © Foto: Benoit Tessier/Reuters

Macron verspricht Wiederaufbau

"Das Schlimmste konnte verhindert werden", sagte Staatschef Macron. Er versprach einen Wiederaufbau der Kathedrale und kündigte eine nationale Spendenaktion an. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kündigte ihrerseits eine internationale Geberkonferenz an. Die Region Île-de-France will zehn Millionen Euro bereitstellen. Auch die UN-Kulturorganisation Unesco stellte Unterstützung in Aussicht.

Die französische Milliardärsfamilie Pinault, die unter anderem an der Spitze des Luxusmodekonzerns Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga) steht, hat 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau zugesagt. Der Milliardär Bernard Arnault und sein Luxuskonzern LVMH (Moët Hennessy – Louis Vuitton) sicherten 200 Millionen Euro zu.

Zahlreiche Politiker und Politikerinnen auf der ganzen Welt äußerten sich bestürzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilen, es tue weh, diese schrecklichen Bilder zu sehen.

Notre-Dame gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der französischen Hauptstadt. Jedes Jahr besuchen zwischen zwölf und 14 Millionen Menschen die Kathedrale. Der Grundstein des katholischen Gotteshauses wurde im Jahr 1163 gelegt.