Die französischen Behörden gehen davon aus, dass sie die in Flammen stehende Kathedrale Notre-Dame vor der vollständigen Zerstörung bewahren können. Ein Vertreter der Feuerwehr sagte am Montagabend in Paris, die Gebäudestruktur sei "vor der vollkommenen Zerstörung gerettet worden". Das gelte auch für die beiden Haupttürme. Die gotische Kirche könne "in ihrer Gesamtheit erhalten" werden. Ein Vertreter des Innenministeriums erklärte, man sei jetzt zuversichtlicher als noch vor ein paar Stunden, dass "wir Notre-Dame retten können". Es werde aber noch drei bis vier Stunden dauern, bis der Brand eingedämmt sei.

"Die Intensität des Feuers hat nachgelassen", sagte der französische Innenstaatssekretär Laurent Nuñez. Die Gefahr eines Einsturzes des nördlichen Glockenturms ist nach seinen Angaben vorerst gebannt. Angesichts des Ausmaßes der Flammen rief er aber dazu auf, "extrem vorsichtig" zu bleiben.

Der Brand war am frühen Abend ausgebrochen. Das bestätigte die Pariser Feuerwehr. Der Dachstuhl des Kirchenschiffes sowie der mittlere, spitze Kirchturm sind bereits abgebrannt und eingestürzt.

Staatsanwaltschaft schließt Brandstiftung aus

Zur Brandursache wurde zunächst nichts mitgeteilt. Der Fernsehsender France 2 berichtete, die Polizei gehe von einem Unglück aus. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Brandstiftung oder einen terroristischen Hintergrund schließt sie derzeit aus.

Das Gebäude und das umliegende Gebiet wurden evakuiert. Alle Bewohner der Seine-Insel Île de la Cité, auf der sich Notre-Dame befindet, müssen ihre Wohnungen vorübergehend verlassen, auch ein Krankenhaus und fünf Hotels auf der Insel werden evakuiert. Nach Angaben der Pariser Behörden wurde niemand verletzt. 

Auf Twitter verbreiteten Augenzeugen Bilder des Brandes. Auf Videos konnte man Flammen im mittleren Gebäudeteil und große dunkle Rauchschwaden sehen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach ebenfalls auf Twitter von einem "fürchterlichen Brand". Die Feuerwehr versuche, das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

400 Feuerwehrleute im Einsatz

Löschwagen aus ganz Paris fuhren zur Kathedrale. Die Feuerwehr rief die Einwohner auf, die Gegend zu meiden und den "Rettungsfahrzeugen Platz zu machen".

Über dem historischen Bauwerk loderten am späten Abend immer noch hohe Flammen. Die Feuerwehr kann bei ihren Löscharbeiten nur mit Drehleitern und Wasserschläuchen arbeiten. Ein Löschen mit Flugzeugen, wie es bei Waldbränden praktiziert wird, könnte nach Ansicht von Fachleuten das Gebäude zum Einsturz bringen.

Neben dem Eindämmen der Flammen versuchen die Einsatzkräfte derzeit, so viele mittelalterliche Kunstgegenstände wie möglich aus der Kathedrale zu retten. Doch das hölzerne Inventar könnte von den Flammen vernichtet werden.

Macron verspricht Wiederaufbau

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte wegen des Brandes eine große TV-Ansprache ab. Macron wollte eigentlich am Montagabend Stellung zu den Forderungen der Gelbwesten beziehen und die Maßnahmen vorstellen, die seine Regierung nach den Bürgerdialogen plant. Stattdessen fuhr er zum Unglücksort. Der Staatschef schrieb auf Twitter, er teile die "Gefühle einer ganzen Nation". Wie alle Franzosen sei er traurig, "einen Teil von uns" brennen zu sehen, erklärte Macron.

"Das Schlimmste konnte verhindert werden", sagte der Staatschef bei einem Besuch der teilweise zerstörten Kirche. Die Fassade der gotischen Kathedrale und die beiden Glockentürme seien dank des beherzten Einsatzes der Feuerwehr nicht eingestürzt. "Der Kampf ist aber noch nicht vollständig gewonnen", sagte Macron. Die kommenden Stunden würden noch schwierig. "Wir werden Notre-Dame wiederaufbauen", versprach er.

Paris - Notre-Dame in Flammen In der Kathedrale Notre-Dame in Paris ist ein Feuer im oberen Bereich des Gebäudes ausgebrochen. Über die Ursache war zunächst nichts bekannt. Ein Video vom Brand © Foto: Francois Guillot / AFP / Getty Images

Umfangreiche Restaurierungsarbeiten in Notre-Dame

Die zwischen 1163 und 1345 errichtete Kathedrale wird zurzeit restauriert. Erst vergangene Woche waren mit einem Kran 16 Kupferfiguren vom Dach der Kathedrale geholt worden, sie sollen restauriert werden. Die Aktion hatte zehn Stunden gedauert, die Statuen waren eine nach der anderen herabgelassen worden.

Witterung und Luftverschmutzung hatten dem Baudenkmal zuletzt schwer zugesetzt. An vielen Stellen bröckelt die Bausubstanz und das vom Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget reicht nicht für eine umfassende Sanierung. Daher war vor einiger Zeit eine kirchliche Spendenaktion auf den Weg gebracht worden.

Der Parisien hat mit dem für die Restaurierung verantwortlichen Architekten, Philippe Villeneuve, gesprochen. Er sagte, zum Zeitpunkt, als der Brand ausgebrochen sei, seien keine Arbeiter mehr auf der Baustelle gewesen.

Die Kathedrale ist eines der wichtigsten Wahrzeichen von Paris und ganz Frankreich und wird jährlich von Millionen Menschen besucht. Notre-Dame steht im Zentrum der Stadt auf der Île de la Cité. Ihre Geschichte reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche sind gewaltig: Sie ist mehr als 127 Meter lang, 40 Meter breit und im Innenraum 33 Meter hoch.