Nach dem Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame sind alle Gemälde in Sicherheit gebracht worden: Wie Frankreichs Kulturminister Franck Riester mitteilte, wurden sie von dem Feuer nicht beschädigt. Voraussichtlich werden sie im Louvre und in anderen Museen zwischengelagert.

Unter den Werken sind unter anderem solche der Maler Laurent de La Hyre und Charles Le Brun aus dem 17. Jahrhundert. Noch während der Nacht des Großbrandes konnten auch einige der anderen Kunstschätze und Reliquien gerettet werden, unter anderem die Dornenkrone, die Jesus der Überlieferung zufolge bei der Kreuzigung getragen haben soll. Später wurde auch der Hahn des eingestürzten Spitzturms gefunden.

Bei dem Feuer am Montag waren zwei Drittel des Dachs sowie der Spitzturm der gotischen Kirche zerstört worden. Weitere Bereiche wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Einige Kunstschätze fielen den Flammen zum Opfer, auch die Hauptorgel wurde beschädigt. Die Begutachtung der Schäden dauert noch an. 400 Feuerwehrleute hatten bis zum Dienstagmorgen gebraucht, um das Feuer zu löschen und das Gebäude zu retten, dessen Bau im 12. Jahrhundert begonnen wurde.  

Präsident Emmanuel Macron empfing eine Delegation der internationalen Kulturorganisation Unesco, die die Kathedrale als Weltkulturerbe listet. An dem Gespräch mit Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay nahm auch der General Jean-Louis Georgelin teil, den Macron mit der Leitung des Wiederaufbaus betraut hat.

Kurzschluss oder Fahrlässigkeit?

Bisher ist unklar, wie lange die Kathedrale geschlossen bleiben muss. Macron hatte angekündigt, Notre-Dame innerhalb der nächsten fünf Jahre wieder aufbauen lassen zu wollen – zu den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 soll sie wieder eröffnen. Zahlreiche Länder haben Unterstützung bei der Instandsetzung angeboten, darunter auch Deutschland, die USA und Russland. Das Feuer hatte große Spendenbereitschaft ausgelöst. Es kamen bisher 850 Millionen Euro zusammen. Experten bezweifeln allerdings, ob ein Wiederaufbau in so kurzer Zeit möglich ist.

Der Vorplatz der Kathedrale ist weiter für Besucher gesperrt. Auch die Regierungsgegner der Gelbwesten dürfen am Samstag nicht rund um Notre-Dame demonstrieren, wie sie angekündigt hatten. Die Pariser Polizei verhängte ein Demonstrationsverbot für die Seine-Insel Île de la Cité, auf der die Kathedrale steht. Die Behörden führten Sicherheitsgründe und den Schutz der beschädigten Kirche an. Die Gelbwesten protestieren seit fünf Monaten samstags für mehr soziale Gerechtigkeit und niedrigere Steuern. Bei den Demonstrationen gab es allerdings auch immer wieder schwere Ausschreitungen.

Die Brandursache ist unterdessen weiter unklar. Eine Möglichkeit sei ein Kurzschluss, hieß es am Donnerstag von Seiten der Polizei – die Staatsanwaltschaft bestätigte diese Hypothese allerdings bislang nicht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP gehen die Ermittler von fahrlässiger Brandstiftung aus. Auf dem Dach der gotischen Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert hatten Bauarbeiten stattgefunden, bevor das Feuer ausbrach. Die zuständige Firma sieht jedoch kein Verschulden einer ihrer Mitarbeiter.