Während eines jüdisches Gottesdienstes zum Abschluss des Pessachfestes hat ein Mann im kalifornischen Poway, nördlich von San Diego, eine Synagoge gestürmt und auf die Besucherinnen und Besucher geschossen. Bei dem mutmaßlich antisemitischen Angriff am Samstagmorgen (Ortszeit) wurde nach Angaben der US-Behörden eine 60-jährige Frau getötet. Der Rabbi der Gemeinde, ein weiterer Mann und ein Jugendlicher seien von Schüssen getroffen worden, befänden sich aber in stabiler Verfassung. Sie wurden ins Palomar Medical Center, ein nahe gelegenes Krankenhaus, gebracht, hieß es auf einer Pressekonferenz am Tag des Attentats.

Bei dem mutmaßlichen Täter handele es sich um einen 19-Jährigen, der mit einem Gewehr bewaffnet gewesen sei, teilte die Polizei mit. Er habe das Feuer in der Synagoge eröffnet, sei dann mit einem Auto vom Tatort geflohen und wenig später festgenommen worden, als er angehalten und sich ergeben habe. Steve Vaus, der Bürgermeister von Poway, sprach von einem möglichen "Hassverbrechen". Nach Angaben der Polizei teilte der 19-Jährige nach seiner Festnahme mit, er sei von dem Attentäter in Neuseeland inspiriert worden.

Medien berichten unter Berufung auf den Bezirkssheriff Bill Gore, dass die Ermittlerinnen und Ermittler derzeit eine Hassschrift untersuchten, die der mutmaßliche Täter offenbar in den sozialen Medien hinterließ. Darin schreibe der Verfasser, dass Juden "nichts als die Hölle" verdient hätten. "Ich werde sie dorthin schicken." Der Autor des antisemitischen Textes soll darin auch auf Brenton Tarrant, den mutmaßlichen Attentäter von Christchurch, Bezug nehmen. Der Rechtsextremist Tarrant soll für den Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland am 15. März 2019 verantwortlich sein. Bei dem Angriff wurden 50 Menschen getötet.

Der Autor des Pamphlets bekenne sich auch zu einem Brandanschlag auf eine Moschee in Escondido Ende März – einer Stadt unweit von Poway in Kalifornien. Damals war ein Feuer in einer Moschee gelegt worden, das gelöscht werden konnte; verletzt wurde niemand.

Trump verurteilt Anschlag

Der Verdächtige habe gegen Mittag die Synagoge betreten und das Feuer eröffnet, hieß es in Medienberichten aus den USA. Als er auf der Flucht gewesen sei, habe ein Polizist auf ihn geschossen, offenbar aber nur sein Auto getroffen.

Präsident Donald Trump sprach den Opfern des Anschlags sein Mitgefühl aus. Er verurteilte Antisemitismus und Hass. "An diesem Abend ist das Herz Amerikas mit den Opfern der entsetzlichen Schießerei in Kalifornien", sagte Trump vor Anhängern im Bundesstaat Wisconsin. "Unsere gesamte Nation trauert um den Verlust von Leben, betet für die Verletzten und ist solidarisch mit der jüdischen Gemeinde", sagte Trump. Das "Übel des Antisemitismus und des Hasses" müsse besiegt werden.

Der Anschlag in Poway ist der zweite Angriff auf ein jüdisches Gotteshaus innerhalb von gut einem halben Jahr, bei dem es Tote gab: Erst vor rund sechs Monaten hatte ein Bewaffneter bei einem Angriff auf eine Synagoge in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania elf Menschen getötet  – der bislang folgenschwerste Anschlag auf die jüdische Gemeinde in den USA. Dem Täter von Pittsburgh wird derzeit der Prozess gemacht.