Paris - Brand zerstört Dachstuhl von Notre-Dame Die Kathedrale Notre-Dame de Paris stand bis in die Nacht in Flammen. Die Ermittlungsbehörden gehen aktuell von einem Unglück aus. © Foto: Benoit Tessier/Reuters

Ein Brand hat die Pariser Kathedrale Notre-Dame am Montagabend stark beschädigt. Die Flammen zerstörten weite Teile des Daches und brachten einen Kirchturm zum Einsturz. Nach mehrstündigen Löscharbeiten konnte die Feuerwehr den Brand aber unter Kontrolle bringen, die Struktur der gotischen Kathedrale und die Fassade mit den beiden Haupttürmen konnten gerettet werden. Zwischenzeitlich hatte die Feuerwehr befürchtet, die gesamte Kirche könnte einstürzen. Doch auch wenn das Schlimmste verhindert wurde: Die Bestürzung über das Feuer ist groß, die französische Presse reagiert sichtlich betroffen.

Elise Vincent und Nicolas Chapuis beschäftigen sich in der Tageszeitung Le Monde mit der möglichen Ursache des "gigantischen Feuers". Die Staatsanwaltschaft habe ein Verfahren wegen "unfreiwilliger Zerstörung durch ein Feuer" eingeleitet. Ein kriminelles Motiv sei von vornherein ausgeschlossen worden. Die Ermittlungen könnten sich allerdings als langwierig und heikel erweisen. Der Brandherd liege im Bereich eines umfangreichen Renovierungsprojekts, an welchem seit Sommer 2018 gearbeitet werde. Da das Feuer diesen Teil der Kathedrale weitgehend zerstört habe, gebe es wenig Hoffnung auf materielle Beweise.

In der Zeitung Le Figaro schaut auf die Reaktion von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Eigentlich wollte er am Montagabend eine Rede an die Nation halten, sagte diese jedoch wegen des Feuers ab. Macron fuhr zur Kathedrale und hielt dort eine Ansprache: Dabei wandte er sich unter anderem an die Katholikinnen und Katholiken, die das Feuer in der Osterwoche besonders verletze. "Diese Kathedrale werden wir alle zusammen aufbauen. Und es ist wahrscheinlich ein Teil des französischen Schicksals", sagte Macron. Die Zeitung nennt dieses Versprechen ein "ambitioniertes Projekt".

Die Tageszeitung Libération lässt Pariserinnen und Pariser zu Wort kommen, die sich am Montagabend nahe der Kathedrale versammelt hatten. Eine von ihnen habe die Fotos von der brennenden Kirche zunächst für eine Fotomontage gehalten und sei sofort gekommen, schreiben Jérôme Lefilliâtre, Charles Delouche und Julie Brafman. "Es tut einem im Herzen so weh, es ist die Seele von Paris", zitiert die Zeitung eine Bewohnerin des vierten Arrondissements. Eine andere Frau sagte der Zeitung zufolge: "Ich fühle mich so hilflos. Wir möchten etwas tun, aber wir können nichts tun. Es ist mehr als ein Gebäude, das brennt, es ist unsere Geschichte."

Die Regionalzeitung Le Dauphiné libéré schreibt, wieso sich der Einsatz von Löschflugzeugen bei Notre-Dame verbiete. Die Zeitung zitiert die französische Generaldirektion für Sicherheit und Zivilisation, derzufolge ein solcher Einsatz technisch nicht geeignet sei, um diese Art von Feuer zu löschen. Der Luftabfall könne zu einem Zusammenbruch der gesamten Struktur führen und Kollateralschäden an Gebäuden in der Umgebung verursachen. Unter anderem US-Präsident Donald Trump hatte auf Twitter den Einsatz von sogenannten Wasserbombern vorgeschlagen. 

Für Pamela Druckerman von der New York Times ist Notre-Dame das "brennende Herz von Paris". Obwohl die Franzosen nicht viel Zeit in Kirchen verbringen würden, fühle es sich dennoch so an, als sei jeder von dem Brand betroffen. Nach den Terrorattacken vom Dezember 2015 und dem Hochwasser der Seine im vergangenen Jahr sei das Feuer ein neuer Schock für die Stadt. Es gebe ein Gefühl von gesellschaftlichem Versagen, sich um etwas Unbezahlbares zu kümmern. Noch in hundert Jahren werde man vom Feuer im Jahr 2019 sprechen.

Die britische Tageszeitung The Guardian berichtet ausführlich über die durch das Feuer gefährdeten Kunst- und Kulturgegenstände. Demnach konnte unter anderem die Dornenkrone gerettet werden, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. Auch die Tunika von Saint Louis und das nördliche Rosenfenster der Kathedrale sollen unbeschädigt sein, schreibt Naaman Zhou. Unklar sei hingegen der Zustand der westlichen und südlichen Rosenfenster sowie der Skulptur der Kreuzabnahme auf dem Hochaltar.