Deutschland hat zugestimmt, einen Teil der 64 Flüchtlinge vom Rettungsschiff Alan Kurdi aufnehmen. Die Bundesregierung setze sich für eine schnelle und humanitäre Lösung für die aus Seenot geretteten Menschen im Mittelmeer ein, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Die Bundesregierung habe zudem die EU-Kommission darum gebeten, die Koordinierung zu übernehmen "und zu bewirken, dass das Rettungsschiff in einen sicheren Hafen einlaufen kann". Sie erwarte dabei auch von anderen EU-Mitgliedsstaaten, dass sie einen Beitrag bei der Aufnahme leisten.

Das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye hatte nach eigenen Angaben 64 Flüchtlinge vor der libyschen Küste aus einem Schlauchboot gerettet, darunter Kinder und Frauen. Seit mehreren Tagen wartet die Alan Kurdi darauf, dass ihr ein EU-Staat erlaubt, in seinen Hafen einzulaufen. 

Die maltesische und die italienische Regierung hatten dem Schiff die Einfahrt in ihre Häfen verweigert. Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte zudem die Bundesregierung schriftlich aufgefordert, sich um das Rettungsschiff zu kümmern. Er sieht die Zuständigkeit bei Deutschland, weil es sich um ein deutsches Schiff handelt.

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"Die Menschen müssen sofort an Land"

Die Europa-Spitzenkandidatin der Grünen, Ska Keller, äußerte Kritik an der Dauer des Vorgangs. Sie sprach von einem "unwürdigen Geschacher darum, welches EU-Land Geflüchtete aufnimmt" und forderte Deutschland auf, seiner Verantwortung gerecht zu werden und die Flüchtlinge aufzunehmen.

Auch die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl forderte eine schnelle Lösung. "Wer aus Libyen flieht, ist traumatisiert und nur knapp Folter und Tod entronnen", teilte Geschäftsführer Günter Burkhardt mit. "Die Menschen müssen sofort an Land." Er forderte die Bundesregierung dazu auf, für ein geordnetes Verfahren zur Aufnahme Geretteter in der EU die Initiative zu ergreifen.

Der Sea-Eye-Sprecher Michael Buschheuer äußerte sich zum Zustand der Migranten auf dem Rettungsschiff: "Den 64 Menschen auf dem Schiff geht es noch gut, aber die Situation muss schnellstmöglich beendet werden", sagte der Sea-Eye-Sprecher Michael Buschheuer. Etwa 150 Menschen ertrinken laut Buschheuer jeden Monat vor der libyschen Küste. Erst am Montag sei ein Boot mit 50 Menschen an Bord verschwunden. "Die Alan Kurdi war das letzte Rettungsschiff, das nach ihnen hätte suchen können."

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