Terror in Sri Lanka - "Islamischer Staat" reklamiert Anschläge für sich Der "Islamische Staat" hat angegeben, dass die Attentäter des Terrorangriffs in Sri Lanka zu ihren Kämpfern zählten. Derzeit verhören die Behörden 40 Verdächtige. © Foto: Eranga Jayawardena

Der "Islamische Staat" hat die Verantwortung für die Anschläge vom Ostersonntag in Sri Lanka für sich beansprucht. "Die Angreifer, die vorgestern die Staatsbürger der Mitgliedsstaaten der Koalition (gemeint: die Anti-IS-Koalition) und Christen in Sri Lanka attackiert haben, zählen zu den Kämpfern des IS", hieß es in einer vom IS-Propaganda-Sprachrohr Amaq veröffentlichten Mitteilung.

Die Mitteilung ähnelt früheren Verlautbarungen der Terrormiliz und ist nach Einschätzung von ZEIT ONLINE als authentisch zu betrachten. Ob der "Islamische Staat" aber tatsächlich hinter allen Anschlägen steckt, ist unklar. Möglich ist, dass einzelne Täter eine Verbindung zum IS hatten. Der IS gilt in seinem Stammgebiet in Syrien und dem Irak als besiegt. Experten warnen aber weiterhin vor der Gefahr von Anschlägen durch die Extremisten.

Nach Angaben von Premierminister Ranil Wickremesinghe haben die Sicherheitsdienste Sri Lankas bereits vermutet, dass die Attentäter Verbindungen zum IS gehabt haben könnten. Einige von ihnen seien im Ausland gewesen, teilte Wickremesinghe mit. Laut dem Premierminister sind noch einige Verdächtige auf der Flucht. Manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff, sagte er. Wickremesinghe bestätigte zudem einen Bericht, wonach es einen weiteren Anschlagsversuch auf ein Hotel gegeben hatte, der fehlschlug.

Am Ostersonntag hatten Terroristen Bomben vor acht Zielen in Sri Lanka gezündet, darunter Kirchen, in denen gerade Ostergottesdienste stattfanden, und mehrere Hotels. Dabei starben nach derzeitigem Stand 310 Menschen, 500 wurden verletzt. Unter den Toten sind mindestens 35 Ausländer aus acht Nationen.

Anschläge sollen Vergeltung für Christchurch-Attentat gewesen sein

Die Regierung Sri Lankas hatte zwei lokale Terrorgruppen für die Anschläge verantwortlich gemacht. Es gebe Hinweise, dass die Täter mit den Anschlägen Vergeltung für das Christchurch-Attentat verüben wollten. "Die vorläufigen Untersuchungen haben enthüllt, dass das, was in Sri Lanka passiert ist, Vergeltung für den Angriff auf Muslime in Christchurch war", hatte Vizeverteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Dienstag im Parlament gesagt. Inwieweit die Gruppen Verbindungen ins Ausland hatten, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, zwei der Attentäter seien aus der Hauptstadt Colombo stammende Brüder. Die Söhne eines wohlhabenden Gewürzhändlers aus Colombo hätten sich als Gäste ausgegeben und sich in den Hotels Shangri-La und Cinnamon Grand in die Luft gesprengt.