Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, am kommenden Samstag Kippa zu tragen. Anlass sei der Al-Kuds-Tag, an dem in Berlin "wieder in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird", sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der internationale Al-Kuds-Tag wurde Ende der Siebzigerjahre von dem iranischen Revolutionsführer Ajatollah Chomeini ausgerufen, um gegen die israelische Besatzung der Palästinensergebiete zu protestieren. Dabei werden immer wieder auch antisemitische Hassparolen laut.

Die Bürger sollten mit der religiösen Kopfbedeckung ein Zeichen der Solidarität mit Juden setzen und "für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt" eintreten, sagte Klein. Er rief zudem zur Teilnahme an einer Gegenveranstaltung zur Al-Kuds-Demo in Berlin auf. "Wenn Politik und Gesellschaft mit vereinten Kräften gegen Antisemitismus vorgehen, dann haben wir eine echte Chance, diesen Kampf zu gewinnen", sagte Klein. Der Antisemitismusbeauftragte hatte zuvor mit seiner Warnung vor dem Tragen der Kippa in Deutschland heftige Reaktionen ausgelöst. Unter anderem hatte sich Israels Präsident Reuven Rivlin entsetzt gezeigt und eine "Kapitulation vor dem Antisemitismus" angeprangert.

Seine Aussage, er könne Juden nicht mehr jederzeit und an jedem Ort das Tragen der Kippa in Deutschland empfehlen, sei "als Weckruf zu verstehen", sagte Klein. Er habe diese Äußerung insbesondere vor dem Hintergrund der Statistik der politisch motivierten Straftaten 2018 gemacht, bei der ein starker Anstieg antisemitischer Delikte um fast 20 Prozent konstatiert worden sei.