Wer in Deutschland zur Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichtet ist, wartete zuletzt im Schnitt 8,1 Monate auf den Kursbeginn. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. 2016 lag die durchschnittliche Wartezeit noch bei 4,3 Monaten.

Integrationskurse umfassen Sprach- und Orientierungskurse, bei denen unter anderem Grundkenntnisse in Geschichte, die deutsche Rechtsordnung und Werte vermittelt werden sollen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) koordiniert die Kurse und lässt die Anbieter zu. Der Standardkurs umfasst 600 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten im Sprachteil und 100 Einheiten im Integrationsteil, also insgesamt 525 Stunden.

Wer neu zugewandert ist und kein oder nur wenig Deutsch spricht, kann von den Behörden zur Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichtet werden. Das gilt auch für Ausländer, die Hartz IV bekommen und für Asylbewerberinnen und -bewerber, die staatliche Unterstützung erhalten. Für bestimmte Zuwanderer und Asylbewerber ist die Teilnahme freiwillig.

Mit einer Wartezeit von durchschnittlich 11,4 Monaten warteten verpflichtete Teilnehmer in Bremen am längsten auf den Kursbeginn. Darauf folgt das Saarland mit 11,2 Monaten und Niedersachen mit 10 Monaten. Die kürzeste Wartezeit hatten Teilnehmerinnen in Mecklenburg-Vorpommern (6,5 Monate), Brandenburg (6,6 Monate) und Thüringen (6,8 Monate). Für Menschen, die zwar einen Anspruch haben, aber nicht zur Teilnahme verpflichtet sind, lag die Wartezeit 2018 im Schnitt bei 4,3 Monaten.

Bamf untersucht Wirksamkeit der Kurse

Die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat, die die Anfrage initiiert hatte, kritisierte die Dauer der Wartezeit. So würden Perspektiven verbaut. Der frühe und effektive Zugang zu Deutschkursen habe herausragende Bedeutung, sagte Polat, die auch Sprecherin der Grünen-Fraktion für Migration und Integration ist.

Derzeit untersucht das Forschungszentrum des Bamf die Kurse grundsätzlich. Dabei geht es etwa darum, welche Faktoren einen Einfluss auf den erfolgreichen Abschluss haben und ob der Erfolg vorhält. Ergebnisse dieser Evaluation sollen laut Ministerium Mitte 2022 vorliegen, Zwischenberichte schon vorher. Für die Untersuchung sind nach Angaben des Ministeriums Kosten von 2,4 Millionen Euro eingeplant.