Die Bundesanwaltschaft stellt die neu aufgenommenen Ermittlungen zum Anschlag auf das Oktoberfest vor 39 Jahren wohl ein – ohne Ergebnisse. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist die Sonderkommission, die nach dem Datum des Anschlags 1980 den Namen "26. September" trägt, bereits aufgelöst worden. Nach dpa-Informationen liegt der abschließende Ermittlungsbericht der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe vor. Es gebe "keine letztliche Klärung", zitiert die Zeitung ein Mitglied des Ermittlungsteams. Der dpa gab die Bundesanwaltschaft dagegen zunächst keine Auskunft. "Wir kommentieren diesen Artikel nicht", sagte eine Sprecherin.

Die Ermittlungen sollten Hintergründe des schwersten rechtsextremistischen Attentats in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland klären und zu möglichen Hintermännern führen. Bei dem Anschlag auf dem Oktoberfest 1980 starben 13 Menschen, unter ihnen auch der Attentäter Gundolf Köhler, der die Bombe gelegt hatte. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt.

Waren die Versäumnisse "mehr als nur ein Versehen"?

Die Akten wurden rasch geschlossen, das Verfahren eingestellt. Die Behörden sprachen von einem Einzeltäter, der die Tat aus rein privaten Motiven begangen habe. Das bezweifelten Angehörige und Opfervertreter. Köhler, der Geologie studierte, war ein früherer Anhänger der dann verbotenen rechtsextremistischen Wehrsportgruppe Hoffmann. Zeugen hatten berichtet, Köhler sei am Abend des Attentats nicht allein gewesen.

Bei den früheren Ermittlungen hatte es zudem zahlreiche Pannen gegeben, Zeugen wurden nicht ausreichend gehört, Asservate vernichtet. Das nahe dem Explosionsort entdeckte Fragment einer Hand wurde in der Rechtsmedizin untersucht – und verschwand dann spurlos. Zigarettenstummel aus Köhlers Auto wurden vernichtet. Heute hätten DNA-Spuren wichtige Hinweise liefern können.

Im Dezember 2014 war das Verfahren wieder aufgenommen worden – die bislang größte Wiederaufnahme eines lange abgeschlossenen Falls. Angehörige, Opfervertreter, Politikerinnen, Anwälte und Journalisten hatten sich über Jahrzehnte für eine Wiederaufnahme eingesetzt. Es bestanden Zweifel daran, dass Köhler als Einzeltäter und aus rein privaten Motiven gehandelt hatte. Zu möglichen Verfehlungen während der Ermittlungen nach dem Attentat hatte sich auch der amtierende Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geäußert: "Die Versäumnisse von damals sind mit Schlamperei nur schwer zu erklären. Da wurden jahrzehntelang Dinge offensichtlich vertuscht. Es wurde so viel übersehen, da liegt der Verdacht nahe, dass das mehr als nur ein Versehen war."

Bei den neuen Ermittlungen, die sich gegen Unbekannt richteten, haben die Beamten der Süddeutschen Zeitung zufolge mehr als 1.000 Zeugen befragt. Sie gingen demnach 766 neuen Spuren nach und durchsuchten Wohnungen in Deutschland und in der Schweiz. Sie sichteten Akten deutscher Geheimdienste und der Stasi, insgesamt 420.000 Seiten – offenbar erfolglos.