Mathias John glaubt nicht an das Argument der Befürworter, dass Beamte seltener die Schusswaffe ziehen, wenn sie auf den Taser zurückgreifen können. Das sei bei einem bewaffneten Angreifer für die Polizisten nicht sicher genug. "Umgekehrt wäre in den meisten Fällen, in denen der Taser eingesetzt wurde, die Schusswaffe nicht erlaubt gewesen", sagt John.

Es drohe eine Verharmlosung des Tasers, weil er als nicht tödliche Waffe gelte, obwohl die Risiken erheblich seien, wie selbst aus einem Informationsblatt des Herstellers hervorgehe. Besonders gefährdet seien demnach ältere und geschwächte Menschen, Herzkranke oder Asthmatiker. Auch vor Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Drogen werde gewarnt. Die Fälle von Pirmasens und Frankfurt machten deutlich, dass Taser auch gegen Personen aus Risikogruppen eingesetzt würden.

In Rheinland-Pfalz und Hessen hatte sich die Gewerkschaft der Polizei (GdP) für den Taser eingesetzt, auch in anderen Bundesländern werben die Landesverbände dafür. "Bundesweit haben wir lange über den Taser diskutiert", sagt GdP-Bundesvorsitzender Oliver Malchow, der sich selbst eher bei den Skeptikern einordnet. Es habe Bedenken gegeben, etwa hinsichtlich der Zuverlässigkeit und ob Polizisten, die sich trotz Taser mit der Schusswaffe verteidigen unter Rechtfertigungsdruck geraten könnten. Grundsätzlich befürworte die GdP Taser inzwischen, "aber es muss sie nicht jeder haben". Es gelte jetzt, die Ermittlungsergebnisse in Frankfurt abzuwarten. "Eventuell müssen wir dann eine Neubewertung vornehmen", sagt Malchow.

Taser könnten zur Deeskalation beitragen, sagt das Innenministerium

Das hessische Innenministerium verteidigt seine Entscheidung für die Waffen, die zwar in allen Polizeipräsidien verfügbar sein sollen, aber nicht zur Standardausrüstung jedes Streifenpolizisten zählen werden. Die Erfahrungen im Pilotbetrieb hätten gezeigt, dass ein Taser "die Handlungsoptionen erweitert" und zur Deeskalation beitragen könne, teilt ein Sprecher am Dienstag auf Anfrage mit. Viele Menschen sei die Wirkungsweise von Tasern bekannt, weshalb "die Bereitschaft steigt, sich polizeilichen Anweisungen nicht durch einen körperlichen Angriff zu widersetzen", hatte das Ministerium auf eine Kleine Anfrage der Linken geantwortet.

Getestet wurden die Waffen in Frankfurt und Offenbach für jeweils mehr als ein Jahr bis zum Sommer 2018. Laut Innenministerium wurden sie in dieser Zeit elf Mal ausgelöst, in zwölf Fällen damit gedroht. In der Testphase seien "keine schwerwiegenden Verletzungen" festgestellt worden, teilt der Sprecher weiter mit. Nur in einem Fall sei es zu einer Kopfplatzwunde infolge eines Sturzes gekommen. Im Frankfurter Todesfall verweist das Ministerium auf die laufenden Ermittlungen.