Der deutsche Kapitän des privaten Rettungsschiffes Lifeline, Claus-Peter Reisch, ist auf Malta zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er müsse 10.000 Euro an lokale Hilfsorganisationen bezahlen, teilte die Nichtregierungsorganisation Mission Lifeline nach dem Urteil mit. Die Verteidigung von Reisch kündigte laut der Zeitung Times of Malta Einspruch gegen das Urteil an.

Der Kapitän aus dem bayerischen Landsberg am Lech hatte vergangenen Juni mit dem Schiff Lifeline 234 Migrantinnen und Migranten vor der libyschen Küste aus dem Mittelmeer gerettet. Ihm wurde vorgeworfen, ein nicht ordnungsgemäß registriertes Schiff gesteuert zu haben. Richter Joseph Mifsud sagte laut maltesischen Medien bei der Urteilsbegründung, eine mögliche Gefängnisstrafe von bis zu zwölf Monaten sei aufgrund der Umstände nie in Betracht gezogen worden. Die Geldstrafe soll demnach maltesischen Flüchtlingshilfe- und Sozialeinrichtungen zugute kommen.

Eine von den maltesischen Behörden geforderte Beschlagnahmung der Lifeline lehnte das Gericht den Berichten zufolge ab, weil das Schiff nicht zum Besitz des Angeklagten gehöre. Reisch kündigte auf Twitter an, seine Organisation lasse sich von "falschen Gerichtsurteilen" nicht von der Rettungstätigkeit abhalten.  

Das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff war nach der Rettungsaktion tagelang blockiert worden. Es durfte erst in Malta anlegen, nachdem mehrere EU-Staaten zugesagt hatten, die Menschen aufzunehmen. Private Seenotretter kritisierten die Ermittlungen als politische Kampagne, um die Rettung von Migranten zu erschweren und Nichtregierungsorganisationen zu kriminalisieren.

Flüchtlinge im Mittelmeer - Das Sterben geht weiter Immer wieder sinken Flüchtlingsboote im Mittelmeer. Was bewegt "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch, Menschen aus dem Meer zu retten? Ein Beitrag aus dem Videoarchiv © Foto: Aris Messinis/AFP/Getty