Der ehemalige Mönchengladbacher Salafistenprediger Sven Lau kommt vorzeitig aus der Haft frei. Dies teilte das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf mit und bestätigte damit einen Bericht der Rheinischen Post. Demnach stimmte der zuständige Strafsenat einer Haftentlassung auf Bewährung zu, nachdem sich Lau deutlich von seiner ursprünglichen radikalislamischen Haltung distanziert habe und auch Mitglied in einem Aussteigerprogramm sei. Zugleich erließ das Gericht strenge Bewährungsauflagen, die Kontakt- und Aufenthaltsverbote sowie einen engen Kontakt Laus zu seinem Bewährungshelfer vorsehen.

Wie das OLG mitteilte, habe man vor dieser Entscheidung Stellungnahmen der Justizvollzugsanstalt sowie des Aussteigerprogramms für Islamisten eingeholt. Auch ein renommierter Sachverständiger wurde zu Rate gezogen. Demnach ist davon auszugehen, dass Lau nach der mehrjährigen Haft künftig keine Straftaten mehr begehen wird. Der OLG-Beschluss ist bereits rechtskräftig, da der Generalbundesanwalt zuvor auf Rechtsmittel verzichtet hatte.

Lau war am 26. Juli 2017 wegen Unterstützung der als Terrorvereinigung eingestuften islamistischen Miliz Jamwa in Syrien zu einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Der heute 38-Jährige hat inzwischen zwei Drittel seiner Strafe abgesessen, wobei auch die Zeit in Untersuchungshaft angerechnet wird.

Initiator der Schariapolizei in Wuppertal

Bei Laus Verurteilung sah es der Düsseldorfer Staatsschutzsenat als erwiesen an, dass der damals tief in der islamistischen Szene verankerte Aktivist von Deutschland aus der Jamwa-Miliz zwei Kämpfer vermittelt hatte. Zudem unterstützte er laut Urteil die später in der Dschihadistenorganisation "Islamischer Staat" aufgegangene Jamwa mit 250 Euro Bargeld sowie durch die Anschaffung von drei Nachtsichtgeräten im Wert von rund 1.440 Euro – alles unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe. Die Ankläger hatten sechseinhalb Jahre Haft für Lau gefordert und ihn einen "Überzeugungstäter" genannt.

Lau gehört gemeinsam mit Pierre Vogel zu den bekanntesten Gesichtern des radikalen Islams in Deutschland. Der ehemalige Feuerwehrmann aus Mönchengladbach gilt auch als Initiator der sogenannten Schariapolizei. Die Gruppe hatte 2014 teils in orangefarbenen Warnwesten mit der Aufschrift Shariah Police einen abendlichen Rundgang durch Wuppertals Innenstadt gemacht und soll dabei vor allem junge Muslime zum Verzicht auf Glücksspiel und Alkoholkonsum aufgefordert haben. Alle sieben Angeklagten waren im November 2016 freigesprochen worden.