Bei Zusammenstößen zwischen Insassen und Sicherheitskräften in den überfüllten Arrestzellen einer Polizeiwache in Venezuela sind mindestens 29 Häftlinge getötet worden. 19 Polizisten seien bei dem Vorfall in einem Kommissariat in der Stadt Acarigua im Nordwesten des Landes verletzt worden, als Granaten explodierten, sagte ein Behördenmitarbeiter. Es habe einen Ausbruchsversuch gegeben, dabei sei es zu Kämpfen zwischen rivalisierenden Gruppen gekommen. Spezialkräfte der Polizei seien eingeschritten, um den Ausbruch zu verhindern, teilte der Sicherheitsminister des Bundesstaats Portuguesa, Oscar Valero, mit.

Menschenrechtsgruppen zweifelten jedoch an der offiziellen Version der Vorfälle. "Wie kann es sein, dass es zu Zusammenstößen kam, aber nur Häftlinge starben?", sagte Humberto Prado von einer Beobachtungsstelle für Gefängnisse. Seinen Angaben zufolge brach die Gewalt aus, als die Polizei die Anlage durchsuchte und Frauen, die zu Besuch waren, entfernte.

Nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation Una Ventana a la Libertad (Ein Fenster zur Freiheit) hatte die Polizeispezialeinheit die Arrestzellen in dem Polizeirevier gestürmt, nachdem ein Insasse dort am Donnerstag mehrere Besucher als Geiseln genommen hatte. Die Organisation zitierte einen internen Polizeibericht, wonach unter den Getöteten auch der Anführer der Gefangenen sei. Die Häftlinge hatten demnach Essen und eine Verlegung in richtige Gefängnisse gefordert und über Misshandlungen durch die Polizei geklagt.  

Der Vorfall ereignete sich in einem Zellentrakt in einem Polizeigebäude. In derartigen Einrichtungen können Verdächtige eigentlich nur bis zu 48 Stunden festgehalten werden, bis Anklage erhoben wird. Tatsächlich bleiben viele aber Monate oder Jahre dort, weil die Gefängnisse in dem südamerikanischen Land überfüllt sind und die Justiz überlastet ist. Die Arrestzellen sind dadurch deutlich überbelegt und es kommt immer wieder zu gewaltsamen Aufständen. Seit 2011 sind in Haftanstalten in Venezuela nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als 400 Menschen gestorben. Sie starben demnach durch Gewalt, Unterernährung oder schlechte Gesundheitsversorgung.

Derzeit steckt Venezuela in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise. Staatschef Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó liefern sich seit Monaten einen erbitterten Machtkampf. Viele Menschen hungern, die medizinische Versorgung ist weitgehend zusammengebrochen. Menschenrechtsgruppen berichten immer wieder von schweren Gewalttaten durch die staatlichen Sicherheitskräfte.