Der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, ist nach Einschätzung eines Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen über Jahre hinweg psychologischer Folter ausgesetzt gewesen. 

Nils Melzer, der für die UN als Sonderberichterstatter zum Thema Folter tätig ist, sagte, Assange weise alle entsprechenden Symptome auf, darunter "extremer Stress, chronische Angst und ein schweres psychologisches Trauma". Es sei offensichtlich, "dass die Gesundheit von Herrn Assange ernsthaft durch das extrem feindselige und willkürliche Umfeld der vergangenen Jahre beeinträchtigt wurde". Am 9. Mai hatte Melzer zusammen mit einer Gruppe von Ärzten den verurteilten WikiLeaks-Gründer in einem Gefängnis in London besucht.

2010 hatte die schwedische Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Julian Assange wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung eingeleitet. Zwei Jahre später hatte sich der heute 47-Jährige wegen eines europäischen Haftbefehls in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet und dort politisches Asyl beantragt. Im April dieses Jahres hatte die britische Polizei Assange festgenommen, nachdem die Botschaft von Ecuador das Asyl aufgehoben hatte. Wegen des Verstoßes gegen Kautionsauflagen war er daraufhin zu 50 Wochen Haft verurteilt worden. In Schweden wurde das Verfahren gegen Assange wieder aufgenommen, es wurde ein neuer Haftbefehl beantragt.  

Die USA haben einen Auslieferungsantrag wegen Verschwörung gegen Assange gestellt. Die US-Regierung wirft dem WikiLeaks-Gründer vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning dabei geholfen zu haben, in Regierungsnetzwerke einzudringen und geheime Militärdokumente herunterzuladen. Manning hatte im Jahr 2010 schwere Verfehlungen von US-Militärangehörigen unter anderem im Irak und in Afghanistan über WikiLeaks öffentlich gemacht. Sie wurde 2013 in einem Militärgerichtsverfahren zu 35 Jahren Haft verurteilt, kam 2017 unter Präsident Barack Obama aber vorzeitig frei. Seit knapp zwei Wochen befindet sich Manning nun wieder in Haft, weil sie sich weigert, über Assange auszusagen. Insgesamt ist Assange in den USA in 18 Punkten angeklagt – ihm droht im Falle einer Verurteilung eine Höchststrafe von 175 Jahren.