Die UN-Flüchtlingshilfe fordert wirksame Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel, der weltweit Menschen in die Flucht treibe. Aktuelles, drastisches Beispiel sei Somalia: "In Somalia leiden die Menschen nicht nur aufgrund bewaffneter Konflikte; Dürren belasten die Menschen zusätzlich und verschärfen die Lage vor Ort", sagte der Geschäftsführer der UN-Flüchtlingshilfe, Peter Ruhenstroth-Bauer. In Somalia habe es aufgrund klimatischer Veränderungen "deutlich weniger Niederschläge während der Regenzeiten" gegeben.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in dem afrikanischen Land zwei Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht. UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock sagte, vielen drohe bis Ende des Sommers der Tod, da die Trockenheit Ernten und Viehbestände vernichtet habe.

Der Nothilfekoordinator sagte weiter, es würden 700 Millionen Dollar (620 Millionen Euro) benötigt, um das Schlimmste zu verhindern. 45 Millionen Dollar habe der Krisenreaktionsfonds der UN zur Verfügung gestellt, um die Not in Somalia und in darüber hinaus von Dürre betroffenen Teilen Kenias und Äthiopiens zu lindern.

Die Bilder werden zu uns kommen

Drei Millionen der 15 Millionen Somalier hätten täglich zu kämpfen, um das Minimum an notwendiger Nahrung zu bekommen, sagte Lowcock. Gegenüber dem Winter habe der Mangel um rund 40 Prozent zugenommen: "Was in der Vorhersage eine durchschnittliche Regensaison in Somalia hätte sein sollen, ist jetzt eine der trockensten in den Aufzeichnungen seit über 35 Jahren."

Lowcock sagte, die Kosten, einen Menschen vor dem Verhungern zu retten, würden höher, je näher er dem Tod sei. Denn dann seien teure, therapeutische Ernährungsprogramme notwendig. "Wir könnten jetzt eine schnelle Antwort geben, die billiger wäre, menschliches Leid verringert und effektiver ist", so Lowcock. "Oder wir warten ein paar Monate, bis wir all diese schrecklichen Bilder verhungernder Kinder auf unseren Fernsehgeräten und sozialen Medien zu sehen bekommen."

In den vergangenen 20 Jahren sei es nach Angaben der UN weltweit zu doppelt so vielen Naturkatastrophen gekommen wie zuvor. "Fast jedes Mal müssen die Menschen aus ihren Häusern fliehen, manchmal über Landesgrenzen hinweg", sagte Ruhenstroth-Bauer. So müssten infolge der Wirbelstürme Kenneth und Idai rund 13.000 Binnenflüchtlinge im Flüchtlingslager Tongogara in Simbabwe leben.

Den UN-Angaben zufolge haben wetterbedingte Katastrophen wie Stürme, Wirbelstürme, Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände und Erdrutsche 2018 rund 16,1 Millionen Menschen vertrieben.