Ein französisches Gericht hat entschieden, dass die künstliche Ernährung eines Komapatienten nicht fortgeführt werden muss. Im Fall von Vincent Lambert annullierte der Pariser Kassationshof als oberste Instanz am Freitag ein Urteil der Vorinstanz, wie der Anwalt von Lamberts Ehefrau mitteilte. Damit könnten die Ärzte die lebenserhaltenden Maßnahmen für den 42-Jährigen "sofort" beenden.

Die Mediziner der Uniklinik Reims hatten die künstliche Ernährung bereits vor gut einem Monat beendet, das Pariser Berufungsgericht ordnete aber überraschend ihre Wiederaufnahme an.

Der Kassationshof urteilte nun, das Gericht sei nicht zuständig gewesen. Rechtsmittel sind nicht möglich. Die Entscheidung ist eine Niederlage für die katholischen Eltern Lamberts, die durch alle Instanzen gegangen waren, um die künstliche Ernährung ihres Sohnes aufrechtzuerhalten.

Seit einem Unfall 2008 nicht bei Bewusstsein

In dem jahrelangen Rechtsstreit hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits zweimal gegen die Eltern entschieden, zuletzt Ende April. Zuvor hatte auch der Pariser Staatsrat als oberstes Verwaltungsgericht im Sinne der Ärzte geurteilt. Die Mediziner berufen sich bei ihrer Entscheidung auf ein Gesetz von 2016. Demnach kann eine Behandlung beendet werden, wenn sie "unnütz und unverhältnismäßig erscheint oder nur dazu dient, das Leben künstlich zu erhalten".

Vincent Lambert ist seit einem Unfall 2008 querschnittgelähmt und kann nicht mehr sprechen. Laut einem Gutachten ist er nicht bei Bewusstsein und sein Zustand dürfte sich nicht verbessern. Lamberts Frau Rachel und sechs Brüder und Schwestern befürworten das Ende der lebenserhaltenden Maßnahmen. Sie berufen sich darauf, dass er sich stets gegen eine künstliche Verlängerung seines Lebens ausgesprochen habe. "Ihn gehen zu sehen, bedeutet, ihn als Menschen zu sehen, der befreit ist", sagte Rachel Lambert.

Die Eltern des früheren Krankenpflegers hatten auch Präsident Emmanuel Macron um Unterstützung gebeten. Dieser wies den Hilferuf ab. Es stehe ihm nicht zu, die Entscheidung der Ärzte aufzuheben. "Sie steht im Einklang mit unseren Gesetzen."