Walter Lübcke - LKA richtet Sonderkommission ein Im Todesfall des Kasseler Regierungspräsidenten gehen Ermittler von einem Tötungsdelikt aus. Die Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamtes warnt vor Spekulationen. © Foto: picture alliance/Swen Pförtner/dpa

Nach dem Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gehen die Ermittler von einem Tötungsdelikt aus. Wie das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz mitteilten, starb der CDU-Politiker durch einen Schuss in den Kopf. Dieser sei vermutlich von einer Kurzwaffe aus der Nähe abgefeuert worden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben sich keine Hinweise auf einen Suizid ergeben. Wer für Lübckes Tod verantwortlich sein könnte, ist unklar. "Wir haben noch keine Hinweise auf Täter und vor allem noch nichts zum Motiv", sagte LKA-Chefin Sabine Thurau. Die Staatsanwaltschaft Kassel leitete ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Tötung ein.

Ermittelt werde mit Hochdruck in alle Richtungen, hieß es. Oberstaatsanwalt Horst Streiff sagte auf die Frage, ob die Tat in Zusammenhang mit früheren Morddrohungen gegen Lübcke während des Flüchtlingszuzugs stehen könnte, zu einem solchen Motiv gebe es noch keine Erkenntnisse. Die LKA-Chefin bat darum, nicht über die Tat und mögliche Hintergründe zu spekulieren. Auch sie sagte: "Wir ermitteln in alle Richtungen." Es seien eine Telefonhotline und eine Mailadresse für Hinweise von Zeugen eingerichtet worden.

Der 65-jährige Lübcke wurde der Staatsanwaltschaft zufolge in der Nacht zum Sonntag auf der Terrasse seines Wohnhauses im Landkreis Kassel von einem Angehörigen gefunden. Reanimationsversuche seien erfolglos geblieben, sein Tod sei dann später in einem Krankenhaus festgestellt worden.

Lübcke hatte zehn Jahre lang das Regierungspräsidium Kassel geleitet, das eine Verwaltungsbehörde auf mittlerer Ebene zwischen dem Land Hessen und seinen Gemeinden ist. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte mit Bestürzung auf den Todesfall reagiert und Lübcke als langjährigen Weggefährten gewürdigt, der sich mit Weitblick und ganzer Kraft für die Menschen in Nordhessen eingesetzt habe.