Mit Schlauch- und Paddelbooten haben Klimaaktivisten im Kieler Hafen ein Kreuzfahrtschiff blockiert, um gegen Umweltverschmutzung zu protestieren. Sie näherten sich am Sonntag mit ihren Booten der Zuiderdam, die am Ostseekai festgemacht hatte. Einige von ihnen kletterten auf die Bugwulst und die Festmachleinen, andere auf einen Baustellenkran am Kai. Sie brachten ein Transparent mit dem Slogan "Kreuzfahrtschiffe kentern" an.

Die Gruppe namens Smash Cruiseshit wollte damit gegen den Ressourcenverbrauch der Kreuzfahrtindustrie demonstrieren. Die Schiffe trügen durch den Ausstoß von Treibhausgasen erheblich zur Klimakrise bei, hieß es in einer Mitteilung. Obwohl durch technische Neuerungen bei der Motorisierung der Schiffe der CO2-Ausstoß pro Person sinke, "steigt der Ausstoß insgesamt an, da immer mehr Kreuzfahrten angeboten werden".

Der Kreuzfahrt-Tourismus boomt seit Jahren, das Wachstum wird eher von der Kapazität der Schiffe als von der Nachfrage begrenzt. Im vergangenen Jahr buchten 2,23 Millionen Reisende aus Deutschland eine Kreuzfahrt, ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weltweit stieg die Zahl der Kreuzfahrt-Passagiere um 6,7 Prozent auf 28,52 Millionen.

Mit der Aktion wollten die Aktivisten auch auf die schlechten Arbeitsbedingungen auf den Schiffen aufmerksam machen.

Die Zuiderdam gehört über eine Tochtergesellschaft zum größten Kreuzfahrtkonzern Carnival mit Sitz in den USA und kann knapp 2.000 Passagiere aufnehmen. Kiel war die vorletzte Station einer Ostsee-Rundreise, die am Montag in Kopenhagen endete. Die Reederei hat sich bislang zu dem Vorfall nicht geäußert.

Die Blockierer wurden durch Polizisten, Feuerwehr und Rettungskräfte vom Schiff und vom Baukran entfernt und in Gewahrsam genommen.

Das Kreuzfahrtschiff legte schließlich um 21.50 Uhr mit knapp sechsstündiger Verspätung ab und machte sich auf die Fahrt nach Kopenhagen. Begleitet wurde die Zuiderdam dabei zunächst von mehreren Booten der Wasserschutzpolizei.

Die Aktivisten wurden im Verlauf der Nacht wieder freigelassen. Gegen sie wurden Strafverfahren wegen des Verdachts der Nötigung, des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und des Hausfriedensbruchs eingeleitet.