Für den Kampf gegen den Klimawandel zeigt sich eine Mehrheit der Deutschen bereit, Verzicht zu üben. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur sagten 74 Prozent, für sie wäre es in Ordnung, auf Kurzstreckenflüge zu verzichten. 63 Prozent würden "deutlich" weniger Fleisch essen und 56 Prozent das Auto in Innenstädten stehenlassen. Für die Umfrage wurden 2.042 Menschen in der Zeit vom 3. bis 5. Juni befragt.

Wenn es ums Geld geht, sinkt die Bereitschaft – vor allem, wenn es um Kosten im Alltag geht. Etwa jeder zweite Befragte fände es akzeptabel, wenn Tickets für Flugreisen deutlich mehr kosteten. Bei den Spritpreisen sieht das hingegen nur jeder Vierte so (27 Prozent). Deutlich höhere Preise für Fleisch fände gut jeder Zweite (52 Prozent) hinnehmbar, wenn es der effektiven Begrenzung des Klimawandels und einer nachhaltigen Agrarpolitik diente. Besonders wenig Toleranz zeigen die Bürger bei Strompreisen: Deutlich mehr Geld für Ökostrom etwa aus Wind oder Sonne würden nur 20 Prozent bereitwillig zahlen.

In den vergangenen Jahren hat sich am Verhalten insgesamt allerdings noch wenig geändert. Beim Fleischkonsum hält sich der geschätzte Pro-Kopf-Konsum relativ konstant bei etwa 60 Kilogramm. Seit 2013 nahm er um 1,1 Prozent ab. Der Anteil der Inlandsflüge sinkt, allerdings vor allem statistisch, weil die Gesamtzahl aller Flüge wächst. 2018 flogen laut Statistischem Bundesamt 23,5 Millionen Passagiere im Inland. 2017 waren es 23,7 Millionen, das macht ein Minus von 0,8 Prozent. Der Pkw-Verkehr hat laut Umweltbundesamt zwischen 1995 und 2017 um knapp 18 Prozent zugenommen.

Bundesregierung streitet über Maßnahmen zum Klimaschutz

"Es wäre unehrlich zu sagen, dass von den Maßnahmen zum Klimaschutz niemand etwas spüren wird", sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer der Bild am Sonntag. Ganz ohne Umstellung des Lebensstils werde es nicht gehen. Die Belastungen müssten aber "sozial ausgewogen" sein, zudem sollten die Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sein und Anreize setzen. SPD-Politiker äußern sich ähnlich.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte der Welt am Sonntag: "Wir müssen es schaffen, den dazu nötigen großen Umbau einer Industriegesellschaft so zu organisieren, dass die Folgen für die direkt Betroffenen erträglich bleiben." Klimaschutz brauche auch Zustimmung. Nordrhein-Westfalens SPD-Chef Sebastian Hartmann mahnte, eine CO2-neutrale Energie- und Wärmeerzeugung und Mobilität müsse für alle bezahlbar bleiben.

Union und SPD streiten derzeit über den richtigen Weg, Deutschland beim Klimaschutz wieder auf Kurs zu bringen. Im Gespräch ist ein sogenannter CO2-Preis, der den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) verteuert – und damit einerseits klimafreundliche Technologien fördert und andererseits die Konsumenten zum CO2-Sparen bringen soll, indem sie etwa weniger Auto fahren oder eine modernere Heizung einbauen. Unter anderem Benzin und Heizöl würden damit teurer werden.