Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will sogenannte Konversionstherapien gegen Homosexualität verbieten lassen. Weil Homosexualität keine Krankheit ist und deswegen auch nicht therapiebedürftig. Der Weltärztebund nennt derartige Behandlungen darüber hinaus eine "ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit und die Menschenrechte" der behandelten Menschen. Trotzdem erhalten sogenannte Homoheiler und ihre Organisationen manchmal öffentliche Gelder oder Vergütungen von den Krankenkassen.

Eine von Spahn einberufene Expertenkommission hat Vorschläge für ein Verbot erarbeitet. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld schätzt, es gibt rund 1.000 Fälle im Jahr, in denen Homosexuelle "geheilt" werden sollen. Ein Mitglied der Kommission, der Jurist Martin Burgi, hält es für möglich, Konversionstherapien zu verbieten und je nach Fall als Straftat oder Ordnungswidrigkeit zu werten. Das sei mit dem Grundrecht der Berufsausübungsfreiheit von Ärzten und Therapeuten zu vereinbaren. Kirchen und anderen religiösen Anbietern könnte man verbieten, Minderjährige zu behandeln und Therapien an Erwachsene zu vermitteln. Das sei mit der Religionsfreiheit zu vereinbaren.

Lieselotte Mahler ist Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité in Berlin und leitet das DGPPN-Referat für sexuelle Orientierung und Identität. Sie beschäftigt sich damit, welche Folgen es für Menschen haben kann, wenn sie sich derart therapieren lassen.

ZEIT ONLINE: Wie findet man heraus, ob etwa ein Arzt oder eine Psychotherapeutin eine sogenannte Konversionstherapie anbietet, also eine Therapie um Homosexuelle "zu heilen"?

Lieselotte Mahler: Das ist gar nicht so leicht. Es gibt explizite Konversionsangebote – und zwar nicht nur von Medizinern und Psychotherapeuten, sondern auch von Priestern, Seelsorgern oder von selbsternannten Coaches. Doch die werben in der Regel nicht damit. Menschen, die Hilfe suchen, googeln auch nicht unbedingt nach diesem Wort. Trotzdem finden sie schnell, was sie suchen – oft im kirchlichen Rahmen. Beim Bund katholischer Ärzte beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe damit. Viele evangelikale Kirchen vermitteln die sogenannten Therapien.

Darüber hinaus gibt es Patienten, die eine Psychotherapie aus anderen Gründen aufsuchen. Und währenddessen fragt der Therapeut dann etwa: Könnte ihr Problem nicht an ihrer sexuellen Orientierung liegen? Auf diese Weise geraten sie in eine Konversionstherapie hinein.

ZEIT ONLINE: Was geschieht in so einer Therapie?

Mahler: Manchmal wird gesellschaftlich erwartetes Verhalten eintrainiert. Also Männer sollen sich männliche Hobbys suchen, Frauen sich besonders weiblich kleiden. Denn dahinter steckt die Überzeugung: Wer sich männlich verhält, kann auch nicht schwul sein oder wer sich typisch weiblich verhält, nicht lesbisch.