In der Pariser Kathedrale Notre-Dame hat der erste Gottesdienst seit dem Großbrand vor zwei Monaten stattgefunden. Der Pariser Erzbischof Michel Aupetit leitete die Messe, die nicht im weitgehend zerstörten Hauptschiff, sondern in einer kleinen Seitenkapelle gefeiert wurde. Aus Sicherheitsgründen konnten nur 30 geladene Gäste teilnehmen, die Hälfte von ihnen waren Geistliche. Alle Anwesenden mussten  Schutzhelme tragen. Die Messe wurde aber live in einem katholischen Fernsehsender in Frankreich übertragen.

Anlass der Feier war das jährliche Fest der Altarweihe der Kathedrale. Aupetit sagte, der Gottesdienst solle daran erinnern, "dass diese Kathedrale noch lebendig ist und dass sie zum Feiern erbaut wurde". Dies sei auch eine Botschaft der Hoffnung und der Dankbarkeit an alle, die betrübt seien über das, was mit der Kathedrale passiert sei. Er habe viele Botschaften des Mitgefühls aus der ganzen Welt erhalten.

Spenden bisher nur von Privatleuten

Für den Wiederaufbau der Notre-Dame hatten Spenderinnen und Spender rund 850 Millionen Euro zugesagt. Angekommen ist bislang deutlich weniger: Bisher seien erst 80 Millionen Euro ausgezahlt worden, sagte Frankreichs Kulturminister Franck Riester dem Fernsehsender France 2. Das Geld stamme vor allem von Privatleuten, die an die vier beauftragten Stiftungen gespendet haben. Von Großspendern – wie etwa den französischen Milliardärsfamilien Arnault und Pinault, die 200 und 100 Millionen Euro zugesagt hatten – sei dagegen noch nichts gekommen.

Dies sei "normal", sagte Riester. "Die Spenden werden nach und nach je nach Fortschritt der Bauarbeiten fließen", sagte er. Derzeit würden Vereinbarungen mit den Großspendern ausgearbeitet. Diese verlangen nach Angaben des Ministeriums detailliert Auskunft, wofür ihr Geld eingesetzt werden soll. Riester appellierte erneut an die Großzügigkeit aller. Insgesamt haben nach Angaben des Kulturministers rund 350.000 Spender Geld zugesagt.

Bei dem Brand Mitte April waren das Dach und der Spitzturm der gotischen Kathedrale zerstört worden. Die Ursache ist bis heute unklar. Seitdem dauern die Arbeiten zur Absicherung von Notre-Dame an. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat angekündigt, dass die Kirche innerhalb von fünf Jahren wiederaufgebaut werden soll.