Im Zusammenhang mit dem Mordfall an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist es laut einem Bericht in der Nacht zu Durchsuchungen gekommen. Sie richteten sich gegen zwei Männer, die dem geständigen Täter Stephan E. Waffen vermittelt und verkauft haben sollen, berichten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. Die Männer sind beide vorläufig festgenommen worden, bestätigte die Bundesanwaltschaft.

E. hatte in seinem Geständnis offengelegt, dass er über zahlreiche Waffen verfügt – neben der Tatwaffe auch über eine Pumpgun und eine Maschinenpistole vom Typ Uzi samt Munition. Er nannte Details, wie er sich diese beschafft hat, und offenbarte die Verstecke.

Das Gros des Schießgeräts hätten Ermittler in einem Erddepot auf dem Gelände seines Arbeitgebers gefunden. Insgesamt handele es sich um fünf Waffen. Nach Angaben von Stephan E. erwarb er Teile des Arsenals bereits 2014, die Tatwaffe im Jahr 2016. Geprüft werde jetzt, ob die Waffen bereits bei vorherigen Straftaten verwendet wurden. Sie würden derzeit kriminaltechnisch untersucht.

Hinweise darauf, dass die beiden festgenommenen Männer von Stephan E.s Plänen gewusst hätten, lägen bislang nicht vor. Im Laufe des Tages soll über einen Haftbefehl entschieden werden.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft handelt es sich um den 64-jährigen Elmar J. und den 43-jährigen Markus H. Ihre Wohnungen in Kassel und im Landkreis Höxter in Nordrhein-Westfalen wurden durchsucht. J. wird verdächtigt, E. im Jahr 2016 die spätere Tatwaffe verkauft zu haben. Den Kontakt zwischen den beiden soll H. hergestellt haben. Die Bundesanwaltschaft kündigte an, Haftbefehle wegen des dringenden Tatverdachts der Beihilfe zum Mord zu beantragen.

Mögliche Verbindung zu NSU-Mord

Über einschlägige Verbindungen von J. in die rechtsextremistische Szene ist bislang nichts bekannt. Bei der Durchsuchung der Wohnung von H. sollen hingegen NS-Devotionalien sichergestellt worden sein.

Außerdem berichtete das ARD-Magazin Panorama, dass H. in Kassel als Neonazi bekannt sei: Den Recherchen zufolge war er 2006 im Zusammenhang mit dem Mord an Halit Yozgat in Kassel als Zeuge vernommen worden. H. soll den Toten gekannt haben. Wie sich später herausstellte, war Yozgat ein Opfer der Terrorgruppe NSU. Zudem soll H. im Internet rechtsextremistische Hasskommentare verbreitet haben und unter anderem durch Zeigen des Hitlergrußes aufgefallen sein, heißt es im Bericht des Politikmagazins weiter.