Die zuletzt etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geratenen Ermittlungen gegen ein mutmaßliches rechtsextremes Netzwerk in der hessischen Polizei nehmen wieder Fahrt auf. Nach Informationen der ZEIT wurde am Dienstag ein Polizeibeamter vorläufig festgenommen, der Tatvorwurf: Bedrohung und Volksverhetzung. Er wird verdächtigt, im vergangenen Jahr Drohfaxe an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız verschickt zu haben. Die Polizei durchsuchte seine Wohnräume in Frankfurt und dem mittelhessischen Kirtorf. Der 30-jährige Polizist ist seit dem vergangenen Jahr vom Dienst suspendiert.

Er soll Teil der WhatsApp-Chatgruppe "Itiot" gewesen sein, in der sich sechs Polizisten und eine Zivilistin rund 50 menschenverachtende und rassistische Bilder und Kommentare ausgetauscht haben. Darunter waren Hakenkreuze, die Gruppe machte Witze über Juden und Menschen mit Down-Syndrom. Auf einem der Bilder ist Adolf Hitler zu sehen, der vor einem rauchenden Schornstein sitzt. Am unteren Rand des Bildes steht: "Umso größer der Jude, desto wärmer die Bude".

Fünf der Polizisten, so auch der 30-jährige Beamte, der nun vorläufig festgenommen wurde, waren in der 3. Dienstgruppe des 1. Reviers in Frankfurt eingesetzt. Von der Wache an der Haupteinkaufsstraße Zeil aus soll erstmals am 2. August 2018 um 15.41 Uhr an die Frankfurter Rechtsanwältin Başay-Yıldız ein Fax verschickt worden sein. Auf dem Briefkopf stand: "Dieses kostenlose Fax wurde Ihnen von Uwe Böhnhardt geschickt." Darin heißt es: "Als Vergeltung schlachten wir deine Tochter." Es folgt der volle Name des gerade einmal zwei Jahre alten Mädchens – und die Meldeadresse der Familie.

Bis heute konnte nicht abschließend geklärt werden, wer genau das Fax verschickt hat. Ob der 30-jährige Polizeibeamte es war, ist bislang nicht geklärt. Er wurde freigelassen, da die Voraussetzungen für einen Haftbefehl aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht vorlagen. "Selbstverständlich" werde aber weiter gegen ihn ermittelt, bestätigte die zuständige Frankfurter Staatsanwaltschaft der ZEIT.