Die italienische Staatsanwaltschaft hat gegen die deutsche Kapitänin der Hilfsorganisation Sea-Watch Ermittlungen eingeleitet. Carola Rackete würden von der Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigent unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vorgeworfen, sagte die Sea-Watch-Sprecherin Giorgia Linardi.

Mit Ermittlungen war gerechnet worden. Rackete war Mitte der Woche mit dem Schiff Sea-Watch 3 mit mehr als 40 Migranten an Bord trotz Verbots der Regierung in Rom in italienische Gewässer gefahren. Das Schiff lag am Mittag immer noch vor der Insel Lampedusa. Eine Lösung zeichnete sich allerdings ab. Vier Länder – Deutschland, Portugal, Frankreich und Luxemburg – hätten sich bereit erklärt, Migranten von dem Schiff zu übernehmen, so Linardi. Deutschland hatte seine Bereitschaft schon am Donnerstag erklärt.

Rackete sagte, die Lage an Bord sei sehr angespannt. "Die Sorge vor Selbstverletzungen ist sehr, sehr groß", sagte sie. Nach mehr als zwei Wochen an Bord wurden zwei Männer als medizinische Notfälle eingestuft und konnten das Schiff bereits in der Nacht zu Freitag verlassen. Wie Sea-Watch mitteilte, konnten ein 19-jähriger Flüchtling, der an starken Schmerzen gelitten habe, sowie dessen jüngeren Bruder das Schiff verlassen. Die übrigen Migranten sind noch an Bord des Schiffes.

Brüssel warnt Innenminister Salvini

Das Schiff hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. Elf von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, durften bereits von Bord gehen; nun folgten die beiden weiteren.

Seit Jahren streiten die EU-Länder über einen Mechanismus zur Verteilung der Bootsflüchtlinge. Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini verlangte nun konkrete "Garantien" der aufnahmebereiten Länder, bevor die Menschen von Bord des Schiffes gehen dürften. Daneben sei die Regierung "entschlossen", gegen jeden vorzugehen, der die Gesetze gebrochen habe. Salvini drohte, die Migranten bei ihrer Ankunft nicht offiziell registrieren zu lassen und sie in andere europäische Länder weiterzuschicken. Brüssel warnte Salvini, in diesem Fall würde die EU ein Strafverfahren gegen Italien einleiten.

Ermittlungen gegen Kapitäne ziviler Rettungsschiffe sind schon mehrmals aufgenommen worden.