Im Mordfall Lübcke hat der Tatverdächtige Stephan E. ein Geständnis abgelegt, wie der Bundesinnenminister bestätigte. Er habe angegeben, als Einzeltäter gehandelt zu haben, sagte Horst Seehofer am Rande einer Sondersitzung des Bundestags-Innenausschusses in Berlin. Damit sei die Aufklärung des "politischen Mordes" aber noch nicht abgeschlossen, fügte er hinzu.

Der 45-jährige Stephan E. ist mehrfach vorbestraft und hatte zumindest in der Vergangenheit Kontakte zur rechtsextremen Szene. Grund für die Tat sei seine Empörung über Lübckes Äußerungen im Jahr 2015 zur Flüchtlingspolitik gewesen, berichten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Thomas Haldenwang, sagte in der Sitzung laut Teilnehmern, die Behörden hätten Stephan E. seit 2009 nicht mehr intensiv auf dem Schirm gehabt. Das Bundesamt müsse sich in Sachen Bekämpfung des Rechtsextremismus stärker aufstellen.

Der CDU-Politiker Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni mit einer Schussverletzung im Kopf auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen bei Kassel entdeckt worden. Er starb wenig später im Krankenhaus.

Lübcke war in der Vergangenheit wegen seiner Haltung zu Geflüchteten bedroht worden. Er hatte sich 2015 auf einer Informationsveranstaltung gegen Schmährufe gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen. Stephan E. soll bei dieser Veranstaltung dabei gewesen sein.

E. war zwei Wochen nach der Tat festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft hatte die Ermittlungen übernommen und die Tat als "politisches Attentat" eingestuft.