In Tunesien hat es zwei Anschläge auf Einrichtungen der Polizei gegeben. Das erste Ziel war eine Streife auf der zentralen Avenue Bourguiba. Nach Angaben des tunesischen Innenministeriums sprengte sich um kurz vor 11 Uhr in Tunis ein Selbstmordattentäter in der Nähe von Polizisten in die Luft. Dabei wurde ein Beamter getötet, zahlreiche weitere verletzt. Neben zwei Polizisten seien drei Passanten verletzt worden. Die Avenue Bourguiba in der Nähe der Altstadt, unweit der französischen Botschaft, ist die wichtigste Hauptverkehrsstraße von Tunis.

Kurz darauf tötete sich ein zweiter Bombenattentäter auf dem Parkplatz einer Polizeistation im Stadtteil Al-Gorjani. Bei der Station handelt es sich um die Behörde zur Terrorbekämpfung, eine Einrichtung der Nationalgarde und der Kriminalpolizei. Laut Innenministerium wurden hier mindestens vier Sicherheitsleute verletzt. Die Polizei riegelte beide Tatorte ab. Wer hinter den Anschlägen steckt, ist nicht klar.

Am Abend reklamierte die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) den Anschlag für sich. Die beiden Angreifer seien IS-Kämpfer gewesen, hieß es in einer im Internet verbreiteten Mitteilung des IS-Sprachrohrs Amak. Der IS hatte bereits in der Vergangenheit mehrere Anschläge in dem nordafrikanischen Land für sich reklamiert.

Bereits in der Nacht zum Donnerstag hatte es auch im Süden von Tunesien einen weiteren Zwischenfall gegeben. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums griffen gegen 3:30 Uhr mehrere "Terroristen" tunesische Soldaten an, die an einer Funkstation stationiert waren. Es habe einen Schusswechsel gegeben, bei dem niemand verletzt worden sei.

Nach 2015 hatte sich die Sicherheitslage beruhigt

Erst im vergangenen Oktober hatte sich ebenfalls auf der zentralen Prachtstraße Bourguiba eine Attentäterin nahe einem Polizeiauto in die Luft gesprengt und mehr als 20 Menschen verletzt, darunter zehn Polizisten. Seit dem politischen Umbruch im Jahr 2011 wurden in Tunesien Dutzende Menschen bei Anschlägen getötet. Die meisten Opfer waren Touristen oder Mitglieder der Sicherheitskräfte, das schlimmste Jahr war 2015.

Bei einem islamistischen Anschlag auf das Bardo-Nationalmuseum in Tunis im März 2015 starben 21 ausländische Touristen und ein Polizist. Drei Monate später tötete ein bewaffneter Angreifer vor einem Strandhotel in Port El-Kantaoui bei Sousse 38 Touristen, darunter 30 Briten und zwei Deutsche.

In entlegenen Gebieten Tunesiens nahe der Grenze zu Algerien sind außerdem mehrere militante Gruppen aktiv. Hohe Arbeitslosigkeit hat in den vergangenen Jahren dort auch immer wieder für Unruhen gesorgt.

Nach den schweren Anschlägen im Jahr 2015 hatte sich die Sicherheitslage in dem bei Touristen beliebten Land wieder verbessert. Im vergangenen Jahr kamen auch wieder mehr Reisende in das nordafrikanische Land. Europäische Länder lockerten ihre Reisehinweise. In diesem Jahr finden in Tunesien Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt.