Fast jedes zehnte Kind auf der Welt muss arbeiten. © Navesh Chitrakar/​Reuters

Weltweit müssen 152 Millionen Kinder arbeiten, um zum Überleben ihrer Familien beizutragen. Das geht aus dem Kinderarbeitsreport 2019 der Kinderschutzorganisation Terre des Hommes hervor. Demnach leidet fast die Hälfte von ihnen (73 Millionen) unter Arbeitsbedingungen, die gefährlich oder ausbeuterisch seien, zum Beispiel als Arbeitssklaven im Bergbau und in Steinbrüchen, auf pestizidverseuchten Baumwollfeldern oder als Dienstmädchen. Die meisten von Kinderarbeit betroffenen Jungen und Mädchen leben laut der Studie in Afrika (72 Millionen), gefolgt von Asien (62 Millionen). Mehr als 70 Prozent der arbeitenden Mädchen und Jungen sind in der Landwirtschaft tätig.

Anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit an diesem Mittwoch forderte Unicef Regierungen, Zivilgesellschaft und Unternehmen dazu auf, die Ursachen von Kinderarbeit wie extreme Armut, fehlende Bildungschancen und die Diskriminierung von Mädchen stärker zu bekämpfen. "Es reicht nicht, Kinderarbeit zu verurteilen und zu verbieten", sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der arbeitenden Kinder laut Unicef zwar stark gesunken – von 246 Millionen im Jahr 2000 auf 152 Millionen 2016. Der Rückgang habe sich zuletzt aber verlangsamt. "Wenn der Fortschritt lediglich im aktuellen Tempo weitergeht, werden auch im Jahr 2025 noch 121 Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarbeit betroffen sein", so die UN-Organisation.

Forderung nach weltweiter Schulpflicht

Unterdessen legte Terre des Hommes Strategien vor, um insbesondere die schädlichsten Formen von Kinderarbeit einzudämmen. Mit schädlicher Kinderarbeit sind Arbeiten gemeint, die für Jungen und Mädchen gefährlich oder ausbeuterisch sind, ihre körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder sie vom Schulbesuch abhalten.

Die Kinderschutzorganisation fordert in diesem Zusammenhang, dass sämtliche Regierungen weltweit die Schulpflicht durchsetzen und dafür sorgen müssten, dass das Ende der Schulpflicht und das Mindestalter für die Zulassung zur Arbeit rechtlich angeglichen würden. Zudem müssten staatliche Aufsichtsbehörden gestärkt und Arbeitgeber, die Kinder ausbeuten, bestraft werden. Eltern müssten zudem über die Folgen von ausbeuterischer Kinderarbeit aufgeklärt und Jungen und Mädchen, die etwa in privaten Haushalten arbeiten, regelmäßig über ihre Arbeitsbedingungen befragt werden.   

"Ausbeuterische Kinderarbeit muss heute nicht mehr sein. Es ist bekannt, was getan werden muss, um sie sofort zu beenden", sagte Albert Recknagel, Vorstandssprecher von Terre des Hommes. Der Kampf gegen Ausbeutung sei eine Aufgabe, an der sich alle beteiligen müssen.

Die Vereinten Nationen zählen Sklaverei und sklavenähnliche Abhängigkeiten, Zwangsarbeit einschließlich des Einsatzes als Kindersoldaten, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten wie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere sowie andere Formen der Arbeit, die die Sicherheit und Gesundheit der Kinder gefährden können, zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit (ILO-Konvention Nr. 182 von 1999). Mit den UN-Nachhaltigkeitszielen 2015 haben sich fast alle Staaten der Welt auf das Ziel geeinigt, jegliche Form der Kinderarbeit bis 2025 vollständig abzuschaffen.