Erneut hat Waffengewalt die Menschen in den USA erschüttert. In der Küstenstadt Virginia Beach im Bundesstaat Virginia hat ein Angestellter der Stadtverwaltung Polizeiangaben zufolge am Nachmittag (Ortszeit) ein Gebäude der Verwaltung betreten und offenbar wahllos auf seine Kolleginnen und Kollegen geschossen. Er tötete mindestens zwölf Menschen, sechs weitere Personen wurden verletzt. Zunächst hatte die Polizei von elf Toten gesprochen. 

Nach Angaben von Polizeichef Jim Cervera werden vier Menschen in Krankenhäusern operiert. Drei von ihnen befänden sich in einem kritischen Zustand, berichtete der Fernsehsender CNN unter Berufung auf die Polizei. Möglicherweise gebe es noch mehr Verletzte, sagte Cervera.

Der mutmaßliche Täter war Polizeiangaben zufolge seit mehreren Jahren bei der Stadtverwaltung von Virginia Beach angestellt. Laut Polizeichef Cervera schoss der Mann sofort nach Betreten des Gebäudes, das gegenüber vom Rathaus liegt, mit seiner großkalibrigen Handfeuerwaffe auf Menschen in allen drei Etagen. Als Polizisten am Tatort eintrafen, habe der Schütze auch auf die Beamten geschossen. Ein Polizist sei getroffen worden, aber dank seiner Schutzweste nicht getötet worden. Die Polizistinnen und Polizisten hätten das Feuer erwidert und den Mann bei diesem längeren Schusswechsel getötet, sagte Cervera. Der Verdächtige sei mit mehreren übergroßen Magazinen ausgerüstet gewesen.

Der Polizeichef sprach von einem "verheerenden Vorfall", bei dem vieles noch ungeklärt sei. "Wir haben wirklich mehr Fragen, als wir Antworten haben." Die Ermittler untersuchten einen Tatort. Die Bundespolizei FBI unterstütze die Ermittlungen.  

Cervera identifizierte den mutmaßlichen Schützen als einen Mitarbeiter der Abteilung für städtische Versorgungsbetriebe. Der Angestellte sei aufgebracht gewesen, ergänzte er, nannte aber zunächst keine Details. Nach Informationen des lokalen Senders WAVY habe es sich um einen städtischen Angestellten gehandelt, dem am Donnerstag gekündigt worden sei. CNN berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass es sich bei dem Schützen um einen 40-jährigen Mann handele. Nachbarn hätten ihn als Einzelgänger beschrieben.

Der 150. Fall in diesem Jahr

In den USA kommt es auch aufgrund der lockeren Waffengesetze immer wieder zu tödlichen Angriffen mit Schusswaffen. Nach Angaben der Organisation Gun Violence Archive war der Angriff in Virginia Beach bereits der 150. Fall von Waffengewalt in diesem Jahr, bei dem vier oder mehr Menschen angeschossen oder getötet wurden.

Im Oktober 2017 tötete ein Mann 59 Menschen auf einem Musikfestival in Las Vegas. Im Juni 2016 hatte ein Mann in Orlando 49 Besucher eines Schwulenclubs erschossen. Bemühungen für strengere Waffengesetze scheitern bisher am Widerstand vor allem konservativer Politiker und der Waffenlobbyorganisation NRA. Trump hatte bei einer NRA-Veranstaltung im April betont, die Republikaner würden das Recht auf Waffenbesitz schützen.

Virginias Gouverneur Ralph Northam reiste am Freitag nach Virginia Beach und bekundete den Angehörigen der Opfer sein Beileid. Northam sprach von einem "furchtbaren Tag" für Virginia. "Das ist unaussprechliche, unsinnige Gewalt." Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump sei über den Vorfall informiert worden.

Der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, nannte das Massaker in Virginia am Freitag "eine weitere furchtbare Tragödie", die daran erinnere, dass Waffengewalt in den USA angesprochen werden müsse. "Das kann nicht weitergehen."

In Virginia Beach an der US-Ostküste leben knapp 450.000 Menschen, es ist die größte Stadt des Bundesstaates Virginia. Im April 2007 waren bei einem Amoklauf auf dem Gelände der Polytechnischen Universität Blacksburg im Westen von Virginia 32 Menschen getötet und 17 verletzt worden.