Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang hat dem Verdächtigen im Mordfall Walter Lübcke eine "rechtsextremistische Karriere" bescheinigt. Laut Haldenwang ist der festgenommene Stephan E. vor allem in den Achtziger- und Neunzigerjahren als Rechtsextremist aufgefallen. Zuletzt sei er aber "eher in den Hintergrund der Beobachtung getreten", sagte der Verfassungsschutzpräsident bei einem gemeinsamen Auftritt mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und dem Präsidenten des Bundeskriminalamts, Holger Münch.

Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft. Er wird verdächtigt, Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) durch einen Kopfschuss getötet zu haben. Nach seiner Festnahme hatte am Montag die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen und mitgeteilt, sie gehe von einem rechtsextremistischen Motiv aus.

Auch Bundesinnenminister Seehofer sagte, man müsse davon ausgehen, dass es sich um einen rechtsextremen Täter und um einen rechtsextremen Hintergrund handele. Das lege die Biografie des Verdächtigen nahe, sagte er. Seehofer zufolge gibt es bisher keine Hinweise auf Komplizen oder eine terroristische Organisation. Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen und Hintergründe der Tat seien noch nicht aufgeklärt, sagte der CSU-Politiker. Er verurteilte die Tat als schrecklich und als Alarmsignal. Rechtsextremismus sei eine Gefahr "für unsere freiheitliche Gesellschaft".

Die Tatwaffe ist nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch bislang nicht gefunden worden. Der Verdächtige sei Mitglied in einem Schützenverein, habe aber keine waffenrechtliche Erlaubnis gehabt, sagte Münch. Es gebe noch eine Menge aufzuklären.